HIV: Erfolge und Hindernisse bei der Impfstoffentwicklung


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

Erste Erfolge auf dem Weg zum HIV-Impfstoff lassen hoffen. Doch ein absoluter Schutz ist momentan noch nicht in Sicht.

Hintergrund

Seit dem Beginn der HIV-Pandemie in den 1980er Jahren ringen Forscher weltweit um die Entwicklung eines Impfstoffs – bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Neuere Ansätze lassen jedoch hoffen. Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für HIV-Forschung des Universitätsklinikums Essen, gibt im Interview auf der Internetseite HIV&more einen Überblick über den Stand der Dinge bei der Impfstoffentwicklung

Hauptaussagen

  • Die virale Reverse Transkriptase besitzt keine Korrekturlesefunktion. Daher entstehen häufig Mutationen, wenn sich das HI-Virus vermehrt. Weltweit gibt es daher eine große Bandbreite an Virusvariationen, und es ist schwer, einen gemeinsamen Angriffspunkt zu finden.

  • HIV hat vergleichsweise wenige viruseigene Oberflächenmoleküle, die sich als Angriffspunkt für das Immunsystem und damit für einen Impfstoff eignen.

  • Als präventiver Schutz steht derzeit die sehr effektive Präexpositionsprophylaxe (PreP) zur Verfügung. Sie ist aber keine Alternative zu einem prophylaktischen Impfstoff, da sie Nebenwirkungen hat, regelmäßig eingenommen werden muss und zudem ein geringes Risiko für Resistenzbildung birgt. 

  • Als vielversprechende Strategie gilt die kombinierte ALVAC-HIV/AIDSVAX mit einem Kanarienpockenvirus, das die HIV-Gene env, gag und pol enthält und als Booster das rekombinante Oberflächenprotein gp120. Allerdings wurde nur ein Impfschutz von 31% erreicht, der nicht lange anhielt. Aktuell wird in der Studie HVTN702 eine Weiterentwicklung des ALVAC-HIV/AIDSVAX-Impfstoffs in einer Hochrisikogruppe in Südafrika getestet.

  • Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Prime-Boost-Impfung mit dem Mosaik-Impfstoff Ad26.Mos.HIV. Sie besteht aus einem Adenovirus-26-Vektor, der env, gag und pol vieler HIV-Subtypen enthält. Als weitere Komponenten enthält der Impfstoff ein trimeres HIV-Oberflächenprotein gp140. Der Ansatz wird derzeit in Südafrika in der Phase-2b-Studie HVTN705/HPX2008 (imbokodo) geprüft. Eingeschlossen werden 2600 HIV-negative Frauen. Erste Ergebnisse werden 2021 erwartet.

  • Ein Impfstoff, der sofort 100%igen Schutz bietet, ist derzeit nicht realistisch. Ziel ist vielmehr ein wenigstens 65%iger Schutz. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Vakzine-Ansatz vielversprechend weiterentwickeln.

  • Die BRAHMS-Studie hat zum Ziel herauszufinden, wer sich in Deutschland mit HIV infiziert. Sie ist gleichzeitig eine Studie zur Machbarkeit neuer Präventionsmaßnahmen. Die Studie soll unter anderem klären, ob eine Impfstudie auch in Deutschland möglich ist. Rekrutiert werden dafür 1000 HIV-negative Männer. Die ersten Ergebnisse werden 2020 erwartet.