HIV: Deutschlandweite Studie soll klären, wie es zu späten HIV-Diagnosen kommt


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Start einer deutschlandweiten Studie, die klären soll, warum noch immer ein Teil der HIV-Patienten erst in einem späteren Stadium der Infektion diagnostiziert wird.

  • Ziel der Studie ist es, konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um späte Diagnosen zu vemeiden.

Hintergrund

Dank moderner Therapie können HIV-Infizierte ein nahezu normales, symptomfreies Leben führen mit einer Lebenserwartung, die gegenüber nicht Betroffenen nicht signifikant verkürzt ist. Voraussetzung dafür ist eine rechtzeitige Diagnose. Europaweit erfolgt die Diagnose bei knapp unter 50 % aller Betroffenen jedoch erst spät, wenn die CD4-Zellzahl bereits reduziert ist (Late Presententation geht einher mit:

  • einer höheren Mortalität und mehr Hospitalisierungen;

  • einem höherem Risiko für neurokognitive Defizite und nicht-AIDS-definierte Erkrankungen;

  • einer geringeren Chance für eine vollständige virale Suppression;

  • einer höheren Wahrscheinlichkeit für ein Immunrekonstitutionssyndrom (IRIS);

  • einem erhöhten Risiko für eine Transmission;

  • einer geringeren Lebensqualität;

  • höheren Kosten.

Die klinische Erfahrung zeigt, dass einige Late Presenter lange vor ihrer Diagnose Kontakt zum Gesundheitsystem hatten, die Chance zu einer früheren Diagnose aber zum Teil mehrfach versäumt wird. Mit der FindHIV-Studie wollen Wissenschaftler des Lehrstuhls für Medizinmanagement der Universität Duisburg Essen jetzt gemeinsam mit Kooperationspartnern (Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e. V. (dagnä), MUC Research GmbH, Clinovate NET GmbH & Co KG) herausfinden, weshalb bei manchen Patienten die Diagnose erst spät gestellt wird.

Studiendesign

  • Im Rahmen der FindHIV-Studie werden zunächst deutschlandweit in 35 Zentren und über einen Zeitraum von etwas mehr als 12 Monaten Patienten mit neu diagnostizierter HIV-Infektion charakterisiert.

  • Geplant ist, mehr als 800 Betroffen in die Studie einzuschließen.

  • Insbesondere geht es darum herauszufinden, welche Charakteristika zu einer Verzögerung der Diagnose führen.

  • Erhoben werden außerdem typische Symptome, die zur Diagnose führen, sowie die Stellen im Gesundheitssystem, an denen die Late Presenter vorstellig werden.

  • Im Zentrum der zweiten Phase der Studie steht die Erarbeitung eines Fragebogens zur Frühdiagnose sowie von Handlungsempfehlungen zur Verringerung des Anteils der Late Presenter.

Klinische Bedeutung

Auf Grundlage der Erkenntnisse der Studie soll eine Strategie entwickelt werden, um späte HIV-Diagnosen zu verhindern. Mit der Veröffentlichung der Handlungsempfehlungen wird Mitte 2021 gerechnet.

Finanzierung

Innovationsfonds