HIV: Bringt der Selbsttest ein sicheres Ergebnis oder Verunsicherung?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

  • Der HIV-Selbsttest kann eine vorhandene HIV-Infektion mit einer Sicherheit von 100% erkennen.

  • Die angegebene Spezifität bedeutet, dass eine Person ohne HIV-Infektion zu 99,8% negativ testet.

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem positiven Testergebnis tatsächlich eine HIV-Infektion vorliegt, liegt laut einer aktuellen statistischen Auswertung jedoch nur bei 8%.

  • HIV-Schnelltests können sinnvoll sein. Zum verantwortungsvollen Umgang damit gehört aber auch eine verständliche Aufklärung, was ein positives Testergebnis bedeutet.

 

Hintergrund

Seit Oktober dürfen in Deutschland HIV-Schnelltests frei verkauft werden. Sie sollen dazu beitragen, dass jeder seinen HIV-Status kennt, und so helfen, die Epidemie einzudämmen.

Doch die beiliegende Gebrauchsanweisung kläre nicht ausreichend darüber auf, was das Testergebnis bedeute, sagen Wissenschaftler in der „Unstatistik des Monats“. Die in der Packungsbeilage erwähnte Sensitivität bedeutet zwar, dass eine vorhandene HIV-Infektion mit einer Sicherheit von 100% erkannt wird. Doch über die Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven Testergebnis sagt die Gebrauchsanweisung nichts aus. Und die ist laut statistischer Auswertung erschreckend hoch.

Kernaussagen

  • Die Gebrauchsanweisung gibt für den Test eine Sensitivität von 100% an. Das bedeutet, dass der Selbsttest eine vorliegende HIV-Infektion mit einer Sicherheit von 100% erkennt.

  • Die Spezifität ist mit 99,8% angegeben. Die Spezifität bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person negativ testet, falls sie nicht infiziert ist.

  • Aus diesen Zahlen lässt sich nach Angabe der Wissenschaftler jedoch nicht direkt ableiten, wie hoch die Falsch-Alarm-Rate ist.

  • Das Ergebnis „Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv“ – so formulieren die Gebrauchsanweisungen das positive Ergebnis – bedeutet nicht zwingend, dass tatsächlich eine HIV-Infektion vorliegt.

  • Eine Überschlagsrechnung gibt Aufschluss über die statistische Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Testergebnis HIV-positiv zu sein:

    • Laut statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund 69 Millionen Menschen, die älter als 18 Jahre sind. Von ihnen sind geschätzt 11.400 infiziert, ohne es zu wissen.

    • Von je 6.000 erwachsenen Deutschen ist demnach einer infiziert. Dieser wird mit Sicherheit positiv testen.

    • Unter den verbleibenden 5.999 Personen, die nicht infiziert sind, sind statistisch 12 weitere zu erwarten, die positiv testen. Demnach ist von 13 Personen, die positiv testen, nur einer tatsächlich infiziert.

    • Nach Berechnung der Wissenschaftler bedeutet das Ergebnis „Sie sind wahrscheinlich HIV-positiv“ daher nur zu 8%, dass wirklich eine HIV-Infektion vorliegt. Bei Menschen ohne Risikoverhalten liege die Wahrscheinlichkeit sogar nur bei 5%.

Klinische Bedeutung

  • Die Gebrauchsanweisung des Tests weist darauf hin, dass man sich nach einem positiven Testergebnis schnellstmöglich an einen Arzt wenden soll. Das ist absolut sinnvoll, denn nur der Arzt kann das Ergebnis sicher bestätigen.

  • Die Wissenschaftler fordern eine bessere Aufklärung darüber, was ein positiver Schnelltest bedeutet.

  • AIDS-Berater an Gesundheitsämtern müssen besser über die Bedeutung aufgeklärt werden. Hier herrscht nach Aussage der Wissenschaftler die Meinung vor, dass es kein falsch-positives Testergebnis gäbe.

  • HIV-Schnelltests können sinnvoll sein. Zum verantwortungsvollen Umgang damit, bedarf es aber auch einer verständlichen Aufklärung darüber, was ein positives Testergebnis bedeutet.

Finanzierung

keine Angabe