HIV bei Kindern – Zahlen und Entwicklungen aus Deutschland


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Kinder unter 15 Jahren stellen in Deutschland die kleinste Gruppe HIV-Infizierter dar.

  • Infektionen in dieser Altersgruppe lassen sich fast ausschließlich auf Mutter-Kind-Übertragungen während Schwangerschaft und Geburt zurückführen.

  • Entscheidend für die Vermeidung von Mutter-Kind-Transmissionen ist die Kenntnis des eigenen HIV-Status.

Hintergrund

HIV-Infektionen bei Kindern sind meist auf Mutter-Kind Übertragungen zurückzuführen. N osokomiale Infektionen, Bluttransfusionen oder sexueller Missbrauch sind dagegen seltene Übertragungswege. Ohne medizinische Intervention beträgt die Transmissionsrate während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder durch das Stillen 15–45 % Mit den verfügbaren Interventionen – insbesondere durch die antiretrovirale Therapie während der Schwangerschaft – lässt sich die Übertragungsrate auf weniger als 0,5 % reduzieren. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Daten von HIV-Infektionen bei Kindern in Deutschland ausgewertet.

Studiendesign

Ausgewertet wurden die Daten von 339 Kindern, deren HIV-Diagnose an das Robert-Koch-Institut gemeldet wurde. Die Kinder waren zwischen 0 und 14 Jahren alt und wurden zwischen dem 01.01.1999 und dem 31.12.2018 geboren.

Hauptergebnisse

  • Bei 322 von 339 Kindern wurde die Mutter-Kind-Transmission als wahrscheinlichster Infektionsweg genannt. Alle weiteren Angaben beziehen sich auf diese Gruppe.

  • Von den 322 Kindern wurden 169 (52%) in Deutschland geboren, 141 (45%) im Ausland, und bei 12 (3%) Kindern konnte das Geburtsland nicht in Erfahrung gebracht werden.

  • 84 (26%) der 322 Mütter stammten aus Deutschland, 115 (35%) aus Subsahara-Afrika.

  • Bei den in Deutschland geborenen Kinder (n=169) erfolgte die HIV-Diagnose überwiegend (60%) im ersten Lebensjahr, weitere 23% wurden bis zum Alter von 2 Jahren diagnostiziert. Bei den übrigen 17% betrug der Diagnoseverzug zwischen 3 und 12 Jahre.

  • Ein Vergleich der Untersuchungszeiträume bis 2007 (mittleres Alter bei Diagnose 1,51 Jahre, Standard-Abweichung 2,76) und seit 2008 (mittleres Alter 0,94 Jahre, Standard-Abweichung 1,74) zeigt, dass die Diagnose ab 2008 früher erfolgte. Dies geht einher mit der Präzisierung der Schwangerschaftsrichtlinen, nach denen seit 2008 jeder Schwangeren ein HIV-Test empfohlen wird..

  • Eine Analyse der betreuenden Pädiater zeigte, dass die fehlende Kenntnis des HIV-Status der Mutter eine entscheidende Ursache für die Mutter-Kind-Übertragung ist.

  • Dies spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Während bei Mutter-Kind-Transmissionen bis zum Geburtsjahr 2007 die fehlende Kenntnis des eigenen HIV-Status bei 60% als Ursache galt, waren es ab Geburtsjahr 2008 weniger als 25%.

Klinische Bedeutung

Die Mutter-Kind-Übertragung von HIV zu eliminieren, zählt zu den erklärten Zielen der Weltgesundheitsorganisation. Mutter-Kind-Transmissionen sind in der Regel einer mangelhaften Umsetzung der Interventionen oder ungünstigen äußeren Umständen wie einer späten Erstversorgung geschuldet. Zahlen aus Deutschland zeigen wie wichtig die Aufklärung der Mütter ist. Auffällig ist außerdem der steigende Anteil infizierter Kinder von Müttern mit Migrationshintergrund. Demnach ist der Weg ins medizinische Versorgungssystem für Migrantinnen oft komplizierter und ein mögliches Hindernis bei der Eliminierung von Mutter-Kind-Transmissionen