HIV-Behandlungsoption: Dolutegravir in allen Bevölkerungsgruppen von der WHO empfohlen

  • World Health Organization

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Basierend auf neuen Erkenntnissen zur Bewertung von Nutzen und Risiken empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verwendung des HIV-Medikaments Dolutegravir (DTG) als bevorzugte Erst- und Zweitlinientherapie für alle Bevölkerungsgruppen, einschließlich schwangerer Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter.

Hintergrund

Erste Studien hatten einen möglichen Zusammenhang zwischen DTG und Neuralrohrdefekten bei Säuglingen aufgezeigt, die bei der Empfängnis von Frauen geboren wurden, die das Medikament einnahmen. Diese potenziellen Sicherheitsbedenken wurden im Mai 2018 aus einer Studie in Botswana gemeldet, in der vier Fälle von Neuralrohrdefekten bei 426 Frauen festgestellt wurden, die während der Einnahme von DTG schwanger wurden. Auf der Grundlage dieser vorläufigen Ergebnisse rieten viele Länder Schwangeren und Frauen im gebärfähigen Alter, stattdessen das Medikament Efavirenz (EFV) einzunehmen.

Das Risiko von Neuralrohrdefekten nach Einnahme von DTG nicht bestätigt

Neue Daten aus zwei großen klinischen Vergleichsstudien von DTG und EFV in Afrika haben nun die Evidenzbasis zur Wirksamkeit und Sicherheit erweitert. So zeigten die Ergebnisse auf, dass das Risiko von Neuralrohrdefekten signifikant geringer ist als in den ersten Studien vermutet.

Weiterhin zeigen die Studien, dass DTG ein Medikament, das wirksamer ist, einfacher einzunehmen ist und weniger Nebenwirkungen hat als derzeit verwendete alternative Medikamente. DTG weist auch eine hohe genetische Barriere für die Entwicklung von Arzneimittelresistenzen auf, was angesichts der zunehmenden Resistenz gegen EFV- und Nevirapin-basierte Therapien wichtig ist.

Aktualisierung der WHO-Leitlinien

Im Jahr 2019 gaben 82 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen an, auf DTG-basierte HIV-Behandlungsschemata umzusteigen. Die neuen aktualisierten Empfehlungen der WHO sollen mehr Ländern helfen, ihre HIV-Politik zu verbessern. Die WHO betont auch, wie wichtig es ist, Informationen und Optionen zur Verfügung zu stellen, mit denen Frauen eine fundierte Entscheidung treffen können. Zu diesem Zweck hat die WHO eine Beratergruppe von Frauen mit HIV-Infektionen unterschiedlicher Herkunft einberufen, um zu politischen Fragen im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit, einschließlich sexueller und reproduktiver Gesundheit, Stellung zu nehmen.

Die WHO wird das Risiko von Neuralrohrdefekten im Zusammenhang mit DTG weiterhin kontinuierlich überwachen.