HIV: Antiretrovirale Therapie beeinflusst den Stoffwechsel und fördert Übergewicht


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Gewichtszunahme und Adipositas, begleitet von metabolischen und kardiovaskulären Erkrankungen, sind ein Phänomen, das in den letzten Jahren bei HIV-Patienten zunehmend beobachtet wird.

  • Bei Protease-Inhibitoren finden sich bereits entsprechende Hinweise in den Fachinformationen. Bei Integrase-Inhibitoren sind die Aussagen zur Auswirkung auf das Körpergewicht bislang widersprüchlich. Ein Zusammenhang ist jedoch wahrscheinlich.

Hintergrund

In Zeiten einer hoch wirksamen antiretroviralen Therapie mit langer Lebensperspektive HIV-infizierter Menschen sind Komorbiditäten zunehmend in den Fokus des Langzeitmanagements gerückt. Im Zentrum stehen dabei eine übermäßige Gewichtszunahme der Patienten unter antiretroviraler Therapie sowie damit einhergehende metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen. Verschiedene Substanzen werden dabei mit einer Induktion von Übergewicht und Adipositas in Verbindung gebracht.

Hauptergebnisse

  • Bei zuvor unbehandelten HIV-Patienten nimmt das Körpergewicht unter einer wirksamen ART parallel zum Absenken der Viruslast zu. Dies ist im Normalfall erwünscht und gilt als Ausdruck klinischer Besserung. Häufig ist die Gewichtszunahme jedoch stark ausgeprägt.

  • In Kohortenstudien wurden einige Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas im Zusammenhang mit antiretroviraler Therapie identifiziert:

    • weibliches Geschlecht;

    • niedrige Ausgangs-CD4-Zellzahl;

    • hohe Ausgangs-HI-Viruslast.

  • Eine Gewichtszunahme unter ART ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus assoziiert. Bei HIV-infizierten unter antiretroviraler Therapie steigt das Risiko für Diabetes pro 2,5 kg Gewichtszunahme um 14 %. Bei Nicht-Infizierten sind es 8 %.

  • Bei ursprünglich normalgewichtigen Patienten steigt das Risiko für kardiovaskuläre Störungen innerhalb von 5 Jahren um 18 % an.

  • Unter der Gabe von Integrase-Inhibitoren beobachten verschiedene Studien nicht nur einen Anstieg des BMI, sondern auch einen Anstieg des Körperfettanteils.

  • Laut einer brasilianischen Studie ist die Primärtherapie mit einem Integrase-Inhibitor der größte Risikofaktor für Adipositas. Verglichen mit Protease-Inhibitoren (PI) und nichtnukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) war die Adipositas-Inzidenz um 10 % erhöht, die jährliche BMI-Zunahme 4-fach größer und die Zeit bis zu einer Adipositas (BMI >30 kg/m2) nahezu halbiert.

  • Mehrere Studien belegen eine deutliche Gewichtszunahme unter dem Integrase-Inhibitor Dolutegravir (DTG).

  • Widersprüchlich sind die Ergebnisse bei einem Umstieg von einer Therapie mit ART mit EFV, Tenofovir und Emtricitabin auf einen Integrase-Inhibitor.

Klinische Bedeutung

Ü bergewicht und Adipositas stellen auch bei HIV-Infizierten einen wichtigen Faktor für Morbidität und Mortalität dar. Daher sollte der Zusammenhang zwischen einer antiretroviralen Therapie und einer Gewichtszunahme weiter untersucht werden. Die Autoren plädieren ausserdem dafür, bei einem klinischen Verdacht einen Bericht über unerwünschte Nebenwirkungen beim BfArM einzureichen, da auch die Dokumentation von Einzelfällen zu mehr Klarheit beiträgt.

Finanzierung

Keine Angaben.