HIV: aktuelle Zahlen aus Deutschland


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV ist in Deutschland rückläufig. Während sich 2017 geschätzt 2.500 Personen mit HIV infiziert haben, sank die Zahl in 2018 auf 2.400

  • Die Zahl der Menschen, die in Deutschland mit einer HIV-Infektion leben, ist auf 87.900 gestiegen.

 

Hintergrund

Jedes Jahr veröffentlicht das Robert-Koch-Institut Zahlen zur HIV-Situation in Deutschland. Dabei werden ausser den tatsächlich an das Institut gemeldeten Infektionen auch Modellrechnungen erstellt, um die Zahl der Neuinfektionen sowie der HIV-Positiven hochzurechnen. Der Grund dafür ist, dass zwischen Infektion und Diagnose viele Jahre liegen können. HIV-Inzidenz und HIV-Prävalenz können daher nur mit Hilfe solcher Modellrechnungen geschätzt werden.

 

Hauptergebnisse

  • Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland sowie von Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland infiziert haben, ist leicht rückläufig. Sie wird für das Jahr 2018 auf 2.400 geschätzt – gegenüber 2.500 in 2017.

  • Der deutlichsten Rückgang (um 27%) wurde in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), beobachtet. Die Zahl der Neuinfektionen ging hier von jeweils 2.200 in den Jahren 2012 und 2013 auf 1.600 in 2018 zurück.

  • 2018 wurden etwa 32% der HIV-Infektionen erst in einem fortgeschrittenen Stadium und 15% erst mit dem Vollbild AIDS entdeckt. Diese Anteile verlaufen seit 2005 sehr konstant.

  • Bis Ende 2018 stiegt die geschätzte Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland auf 87.900. Davon sind etwa 10.600 noch nicht diagnostiziert.

  • Die Zahl der nicht diagnostizierten HIV-Infektionen ist in der Gruppe der MSM rückläufig. In anderen Gruppen stieg sie dagegen an. Insgesamt ist die Zahl jedoch seit 2013 konstant.

  • Der Anteil der diagnostizierten HIV-Erkrankungen stieg auf 88%.

  • Seit 2015 gilt die Empfehlung, HIV-Infizierte umgehend mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln. Der Anteil der Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion, die eine solche Behandlung erhalten, ist auf 93% gestiegen (von 78% im Jahr 2006). Diese Therapien verlaufen zu 95% erfolgreich, so dass eine Viruslast von weniger als 200 Viruskopien/ml Blut detektiert werden kann.

  • Eine verlässliche Einschätzung, welchen Einfluss die PrEP auf die HIV-Situation und die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland hat, ist derzeit noch nicht möglich.

Klinische Bedeutung

Die aktuellen Schätzungen legen nahe, dass zielgruppenspezifische Testangebote und ein früher Behandlungsbeginn Erfolge zeigen. „Dieser Weg sollte konsequent weiter umgesetzt werden, insbesondere durch eine weitere Verbesserung der Testangebote und die Gewährleistung des Zugangs zur Therapie für alle Menschen, die in Deutschland mit HIV leben“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts.