HIV-1-Remission nach einmaliger Transplantation hämatopoetischer Stammzellen mit CCR5Δ32/Δ32


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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Kernbotschaften

  • Neue Therapie-Strategien, die darauf beruhen, die Expression des CCR5-Corezeptors zu verhindern, könnten HIV vollständig eliminieren.
  • Die HIV-1-Remission bei dem so genannten „Berliner Patienten“ vor zehn Jahren war kein Einzelfall.
  • Für die Remission einer HIV-Infektion genügt möglicherweise eine einzige CCR5Δ32/Δ32 allo-HSCT.

Der einzige dokumentierte Fall einer anhaltenden HIV-Remission ist der so genannte „Berliner Patient“, was zehn Jahre her ist. Der Patienten erhielt zwei allo-HSCT mit CCR5Δ32/Δ32-Zellen, um seine akute myeloische Leukämie mit einer Ganzkörper-Bestrahlung - bei jeder HSCT - behandeln zu können. Die neue Studie berichtet über eine HIV-Remission mit einem weniger aggressiven und toxischen Therapieansatz.

Der HIV-1-infizierte Erwachsene (HIV wurde 2003 diagnostiziert, antiretrovirale Therapie seit 2012) erhielt 2015 eine allo-HSCT zur Behandlung eines aggressiven Hodgkin-Lymphoms (2012 diagnostiziert), das gegen eine Erstlinien-Chemotherapie und mehrere Rettungs-Regime refraktär war. Der Spender war, wie der „Berliner Patient“, homozygot für CCR5Δ32. Die 32-Basenpaar-Deletion verhindert die CCR5-Expression und macht diese Zellen resistent gegen Infektionen mit HIV-Varianten, die den CCR5-Corezeptor verwenden. Als Ergebnis wurde der Wirtsgenotyp, der vor der allo-HSC-Transplantation CCR5wt/wt war (im Vergleich zum heterozygoten CCR5WT/Δ32 -Genotyp, der beim „Berliner Patient“ beobachtet wurde), nach der Transplantation CCR5Δ32/Δ3, mit Verlust der CCR5-Oberflächenexpression zirkulierender CD4- und CD8-Zellen. 

Die antiretrovirale Therapie wurde nach der HSCT beibehalten und 16 Monate nach der Transplantation unterbrochen. Die HIV-1-Remission hat weitere 18 Monate angehalten. Die Viruslast im Plasma wurde in den ersten drei Monaten wöchentlich und danach monatlich bestimmt. Diese Tests bestätigten, dass keine HIV-1 RNA im Plasma mehr bei einem Grenzwert von einer Virus-Kopie pro Milliliter nachzuweisen war, einhergehend mit nicht-nachweisbarer HIV-1-DNA in peripheren CD4-T-Lymphozyten.

Ein Q-VO-Assay (Quantitative Viral Outgrowth Assay) von peripheren CD4-Lymphozyten ergab keine reaktivierbaren Viren, wobei insgesamt 24 Millionen ruhende CD4-T-Zellen verwendet wurden.

Nach der Transplantation exprimierten CD4-T-Zellen aus dem peripheren Blut keine CCR5. Die Zellen waren in der Tat nur noch ex vivo für CXCR4-tropische Viren empfindlich.

Um das Fehlen einer persistierenden HIV-1-Infektion und Antigenstimulation weiter zu untersuchen, wurden sowohl Antikörper- als auch T-Zell-Reaktionen analysiert. Beide erinnerten an die Beobachtungen bei dem „Berliner Patienten".

Ähnlich wie in dieser Studie hatte der „Berliner Patient“ eine CCR5-tropische HIV-1-Infektion und erhielt ein CCR5Δ32/Δ32 -Transplantat. Allerdings war unklar, welche Therapie oder Patienten-Eigenschaften am meisten zu der HIV-Remission  beitrugen: entweder die zwei allo-HSCT oder die zwei Ganzkörper-Bestrahlungen in Verbindung mit Cyclophosphamid zur Konditionierung. Obwohl es 18 Monate nach Aussetzen der Therapie verfrüht ist, den Patienten als geheilt zu betrachten, lassen die Daten vermuten, dass eine allo-HSCT mit homozygoten CCR5Δ32-Spender-Zellen ausreichen kann, um eine HIV-1-Remission mit verminderter Intensität der Konditionierung zu erzielen, in diesem Fall bestehend aus Chemotherapeutika.