Hitzewellen: Softdrinks eignen sich nicht zum Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts

  • Ann Nutr Metab

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei hohen Außentemperaturen über mehrere Tage steigt das Risiko für Nierenerkrankungen. Die Risikoerhöhung betrifft auch jüngere Menschen, wenn Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers nicht ausgeglichen sind. Zuckerhaltige Getränke eignen sich nicht für die Rehydration, sondern können das Risiko für Nierenschäden sogar erhöhen.

Hintergrund
In vielen Regionen der Erde hat es in den vergangenen 10-15 Jahren vermehrt Hitzeperioden gegeben, auch in Deutschland. Daher nimmt das Interesse an der Frage zu, wie der menschliche Körper hohe Außentemperaturen kompensieren kann und an welchen Organen unter welchen Bedingungen Schäden drohen. So hat die Anzahl der Studien, in denen die Inzidenzen von Nierenerkrankungen bei Hitzewellen untersucht werden, in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In einer Metaanalyse wurden Untersuchungen aus den USA, Kanada, Australien und asiatischen Ländern zu dieser Frage ausgewertet (1).

Design

  • Einschluss von 11 Studien aus den USA, Kanada, Australien, China, Thailand und Korea
  • Daten zu Außentemperaturen aus den verschiedenen Regionen und zu Inzidenzen von akutem Nierenversagen, von stationärer Aufnahme wegen Nierenerkrankungen und zu Nierenkoliken

Hauptergebnisse


370 internationale Studien zur Fragestellung wurden gereviewt und davon 11 Studien als qualitativ hochwertig in die Metaanalyse ausgenommen. In den USA betrafen die Hitzewellen – davon viele im Jahr 2013 - den Großraum Chicago, Atlanta, Dallas, Los Angeles und Philadelphia. Das Risiko für Nierenerkrankungen wie akutes Nierenversagen oder Nierenkoliken durch Nierensteine erhöhte sich ab anhaltenden Außentemperaturen von minimal 25,4° C in Kanada und minimal 35° C in Australien – die übrigen Regionen lagen mit den Außentemperaturen dazwischen - um durchschnittlich 30 %. Die Bandbreite der Risikoerhöhung war 10 bis 200 %.

In einem aktuellen Review (2) wird darauf hingewiesen, dass ein Hitzeschlag oft assoziiert ist mit akutem Leber- und Nierenversagen. Er trete zwar häufiger bei älteren Menschen mit Komorbiditäen auf, aber auch Jüngere seien bei größerer körperlicher Anstrengung durch Arbeit oder Freizeitsport gefährdet. Der Hitzeschlag gehe im Allgemeinen mit Störungen des Elektrolythaushalts einher. Bei akutem Nierenversagen seien dann vor allem die Konzentrationen von Natrium, Kalium, Phosphat, Kalzium und Magenesium im Blut reduziert. Niedrige Werte an Kalium, Phosphat und Magnesium im Serum zeigen vor allem Tubulusschäden an

Zuckerhaltige Getränke eignen sich nicht für den Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich, so die Forscher (2). In mehreren Studien sei ein erhöhtes Risiko für akute Nierenschäden durch Softdrinks (Fruktose) nachgewiesen worden, vor allem an den Tubuli. Die Schädigungen würden möglicherweise verursacht durch oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen.

Klinische Bedeutung


Hitzeperioden führen vermehrt zu Störungen des Elektrolythaushalts und zu akuten und chronischen Nierenerkrankungen, auch durch Nierensteine. Deren Bildung wird bei geringen Urinmengen in Phasen der Dehydrierung gefördert, ebenso das Risiko für Harnwegsinfektionen. Elektrolythaltige Getränke in ausreichenden Mengen sind bei Hitze essenziell, Softdrinks sollten gemieden werden.

Finanzierung: öffentliche Mittel