Hitzewellen: Ältere, ambulant betreute Patienten sind in Deutschland unterversorgt

  • Bundesgeundheitsblatt

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In Deutschland verdichten sich seit einige n Jahren Hitzewellen. Vor allem allein lebende Kranke sind bei Hitze unterversorgt. Der Haus arzt wäre die am besten geeignete Berufsgruppe, um gefährdete Patienten zu identifizieren. Über Netzwerke mit gut funktionierenden Strukturen wie dem ehrenamtlichen Katastrophenschutz ließe sich die Betreuung der Risikopatienten während einer Hitzewelle verbessern.

Hintergrund
Elf der extremsten Hitzewellen in Deutschland seit 1950 traten nach der Jahrtausendwende auf. Die Übersterblichkeit vor allem älterer Menschen ist bei anhaltender Hitze in Deutschland stärker ausgeprägt als in anderen Ländern, die vergleichbar von Klimaveränderungen betroffen sind, zum Beispiel Frankreich. Die Bandbreite bei der Anzahl der Hitzetoten in Deutschland reichte zwischen 2001 bis 2015 von jährlich 300 Hitzetoten bis zu 7.600. Trotz Bemühungen in einzelnen Bundesländern, de n negativen gesundheitlichen Folgen starker Temperaturanstiege vorzubeugen , hat sich die Zahl der Hitzetoten nicht wesentlich senken lassen. Das Bundesgesundheitsministerium hat daher eine Untersuchung der Versorgungsebenen „Krankenhaus, Pflegeheim und Betreuung im häuslichen Umfeld“ initiiert, um Defizite genauer zu identifizieren.

Design

  • Analyse der hausärztlichen Versorgung, der ambulanten, der stationären Pflege und der Versorgungssituation in Kliniken während längerer Hitzeperioden in Deutschland
  • Beteiligt an der Analyse waren Vertreter der Ärzteschaft aus Bund und Ländern, darunter Hausärzte und Geriater, Vertreter aus den verschiedenen Versorgungsbereichen und von Interessenverbänden, zum Beispiel Senioren-Organisationen

Hauptergebnisse

In Pflegeheimen sind im Allgemeinen ausreichend Wissen und Strukturen vorhanden, um Risikopatienten bei Hitzewellen ausreichend zu versorgen. Das gilt auch für Krankenhäuser. Als größter Problembereich wird die Versorgung von zuhause lebenden älteren und alleinstehenden Menschen beschrieben. Bei den medizinischen Faktoren wirken vor allem Mobilitätseinschränkung und kognitive Defizite risikoerhöhend, außerdem chronische Lungenerkrankungen, instabile koronare Herzerkrankung und Herzinsuffizienz in den NYHA-Stadien III-IV, chronische Nierenerkrankung, psychotrope Medikation und Polypharmazie.

Klinische Bedeutung

Hausärzte könnten bei einer erwarteten Hitzewelle aufgrund von Diagnosen und von ihre n Kontakte n zu Patienten und Angehörigen besonders gut Risikopersonen identifizieren und spezifisch über Verhaltens-, aber auch notwendige Medikationsanpassungen informieren, so die Analyse. Obwohl die Gesellschaft erwarte, dass Hausärzte und Pflegedienste drohenden Gesundheitsschäden bei Hitzewellen vorbeugen , hätten diese Berufsgruppen keine ausreichend en Kapazitäten, um durch vermehrte Hausbesuche die Risiken bei älteren Menschen zu kompensieren. Informelle Netzwerke wie Familie, Freunde und Nachbarn gewährleisteten nicht die oft kurzfristig erforderliche zuverlässige Unterstützung. Ein Lösungsansatz bestehe möglicherweise darin, die meist ehrenamtlichen, gut ausgebauten Hilfsstrukturen für Katastrophenszenarieren einzubinden wie Johanniter- Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund und das Deutsche Rote Kreuz. Grundvoraussetzung aber sei, dass Hausärzte an der Erstellung freiwill ig er Register für Hochrisikopatienten mitwirkten, natürlich unter Beachtung des Datenschutzes.

Finanzierung: öffentliche Mittel