Hirnschäden schon bei jungen Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bereits bei jungen, zerebral asymptomatischen Menschen kann ein nur leicht erhöhter Blutdruck über 120/80 mmHg mit einer Abnahme der grauen Substanz einhergehen. Dies spricht für frühzeitige antihypertensive Maßnahmen, um so zerebrovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.

Hintergrund

Es ist gesichert, dass ein über Jahre bestehender manifester Bluthochdruck Hirnschäden zur Folge haben kann. Weniger klar ist, ob auch ein nur leicht erhöhter Blutdruck bereits das Gehirn von jungen Menschen betreffen kann. Dieser Frage sind nun Wissenschaftler um Professor Dr. Arno Villringer vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig nachgegangen. Die Erstautorin der vorliegenden Studie, Lina Schaare, untersucht seit mehreren Jahren Mechanismen, die dazu führen könnten, dass Menschen an Bluthochdruck erkranken. Bei ihren Untersuchungen kombiniert sie zeitgleich physiologische (z.B. kontinuierliche Blutdruckmessung und EKG), psychologische (z.B. Verhaltensexperimente und Fragebögen) und neurowissenschaftliche (etwa fMRT und MRT) Methoden.

Design

An der Studie nahmen 423 Personen mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren (19 - 40) teil; sie unterzogen sich mindestens einem MRT-Gehirnscan (Volumen-Messungen) und einer Blutdruck-Messung. Einundvierzig Prozent der Teilnehmer hatten einen normalen Blutdruck (maximal 120/80 mmHg), 29 Prozent einen Blutdruck zwischen 120/80 und 129/84, 19 Prozent zwischen 130/85 und 139/89, und elf Prozent einen hohen Blutdruck. 

Hauptergebnisse

  • Menschen mit einem Blutdruck über dem Normalwert hatten eher ein geringeres Volumen an grauer Substanz in Bereichen des Gehirns, einschließlich der Stirn- und Parietallappen – also in Abschnitten des Großhirns, sowie des Hippocampus, der Amygdala und des Thalamus.
  • Das Volumen der grauen Substanz war umso niedriger, je höher der systolische oder diastolische Blutdruckwert war. 

Klinische Bedeutung

Die Studie zeigt, dass bereits leicht erhöhte Blutdruckwerte sogar bei jungen Erwachsenen, bei denen noch nie ein manifester Bluthochdruck diagnostiziert worden ist, mit einem Verlust an grauer Substanz assoziiert sein können. Die Studie beweist nach Angaben der Autoren zwar nicht, dass der über dem normalen Wert liegende Blutdruck diese Veränderungen der grauen Substanz im Gehirn verursacht. Die Studie deutet aber darauf hin, dass die Behandlung von Bluthochdruck oder die Aufrechterhaltung eines niedrigeren Blutdrucks im frühen Erwachsenenalter wesentlich dafür sein kann, zerebrovaskulären Erkrankungen und ihren Komplikationen vorzubeugen.

Klinische Finanzierung: Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.