Hilft eine Enquete-Kommission gegen Überversorgung?

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Berlin (pag) – Eine Enquete-Kommission „Patientenwohl“ fordert Prof. David Klemperer von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg bei einer Tagung der Bertelsmann Stiftung. Dort geht es um Choosing Wisely. Zwar gehen mittlerweile einige ärztliche Initiativen das Thema Überversorgung hierzulande an, doch den entscheidenden Schub erhofft sich Klemperer von einer Kommission.

 

Deren Untertitel könnte lauten: Ethik und Ökonomie in der Patientenversorgung, schlägt er vor. Dabei stellt der Mediziner klar: „Das Problem ist nicht, dass wir im Gesundheitswesen wirtschaften müssen, sondern mit welchem Ziel wir wirtschaften.“ Klemperer zufolge sollte Überversorgung nicht das einzige Thema der Enquete-Kommission bleiben, auch die Strukturreform der Krankenhauslandschaft und die Überwindung der Sektorengrenzen könnten auf der Agenda stehen.

Überversorgung, das wird auf der Tagung klar, ist eine äußerst komplexe Angelegenheit. Es gebe keine verallgemeinernden Ursachen und es bestehe auch nicht immer Konsens, ob tatsächlich zu viel behandelt wird, lautet ein Fazit von Hans-Dieter Nolting vom IGES Institut. Er hat eine Literaturanalyse zu dem Thema vorstellt. Seine Empfehlung lautet, dass Gegenmaßnahmen differenziert gestaltet werden sollten.

Für Patienten seien medizinische Maßnahmen häufig Symbole der Zuwendung und der Fürsorge, ergänzt Uwe Hambroch vom rheingold Institut. Das hat mehrere Patienten und Ärzte zu ihrem Alltagerleben von Überversorgung befragt. Ärzte reagieren demnach oft empfindlich auf das Thema. Sie führen wirtschaftliche Faktoren an und fühlen sich vom System verleitet oder sogar gezwungen, mehr zu diagnostizieren oder zu therapieren, als medizinisch sinnvoll wäre. Hinzu kommt, dass sich Mediziner als aktiv handelnder Helfer verstehen, nichts zu tun falle ihnen schwer, meint Hambroch. Überversorgung durch Appelle an Ethik, Moral oder Verantwortung einzudämmen, hält er für wenig erfolgsversprechend. Sein Tipp: Bei der Kommunikation den Nutzen- und Schadensaspekt von einem Zuviel an Medizin in den Mittelpunkt stellen.