Hier sind die wichtigsten Bevölkerungsgruppen, bei denen in EU-/EWR-Ländern auf eine potenzielle HCV-Infektion geachtet werden muss


  • Antara Ghosh
  • Medical news
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Infektionen mit dem Hepatitis-C- (HCV) oder dem Hepatitis-B-Virus (HBV) sind eine signifikante Ursache für leberbedingte Morbidität und Mortalität in der Europäischen Union (EU) bzw. im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Mit der Verfügbarkeit von direkt wirksamen antiviralen Arzneimitteln (Heilungsraten von > 90 %) ist die Eliminierung einer chronischen viralen Hepatitis in den Bereich des Möglichen gerückt. Eine wirkungsvolle Strategie zu diesem Zweck erfordert die Identifikation von Patienten mit einem hohen Infektionsrisiko. Eine systematische Auswertung, die in der Fachzeitschrift BMC Infectious Disease veröffentlicht wurde, enthält Schätzungen der Prävalenz von HBV/HCV unter drei Risikogruppen in der EU bzw. im EWR: Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), Personen, die Drogen injizieren (PWID), sowie Gefängnisinsassen.

68 Schätzungen zur Prävalenz von HBV/HCV aus 23 EU-/EWR-Ländern wurden ausgewertet. Unter MSM reichten die Schätzungen zur Prävalenz von HBV von 0,0–0,1 % in Estland und Großbritannien bis zu 1,4 % in Frankreich. Die Schätzungen zu HCV lagen bei 4,7–1,8 % für Estland, 2,5–2,9 % für Kroatien, 0,7–1,3 % für die Niederlande und 2,2–1,6 % für Großbritannien. Die Prävalenz von HBV unter Gefängnisinsassen reichte von  10 % für Kroatien, Frankreich, Deutschland und Ungarn bis zu > 80 % für Luxemburg. Die Prävalenz von HBV unter PWID reichte von 0,5 % in Kroatien, Ungarn und Irland bis zu > 6 % in Ungarn und Portugal, während die Prävalenz von HCV zwischen ≥ 30 % und ≥ 50 % reichte.

Insgesamt war die Prävalenz von HBV unter Gefängnisinsassen am höchsten (Bereich: 0,3–25,2 %), danach kamen PWID (0,5–6,1 %) und schließlich MSM (0,0–1,4 %). Die höchste Prävalenz von HCV wurde ebenfalls unter Gefängnisinsassen festgestellt (4,3–86,3 %), aber auch PWID (13,8–84,3 %) waren viel stärker betroffen als MSM (0,0–4,7 %).

Kommentar der Verfasser: „PWID und Gefängnisinsassen sollten als entscheidende Bevölkerungsgruppen für Screening-Untersuchungen auf HBV/HCV und entsprechende Behandlungen priorisiert werden.“ Die Verfasser weiter: „Unsere Daten sehen MSM nicht als Risikogruppe für chronische Hepatitis-B-Infektionen, doch sie sollten trotzdem als wichtige Bevölkerungsgruppe für zielgerichtete Maßnahmen betrachtet werden.“