Herzschrittmacher oder Defibrillator: keine Funktionsstörung durch Elektroautos


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die aktuell eingesetzten Elektroautos führen nicht zu elektromagnetischen Wechselwirkungen und in der Folge nicht zu Störungen von implantierten Herzschrittmachern oder Defibrillatoren. Ein Risiko könnte der Ladevorgang sein. 

Hintergrund

Fahrzeuge mit Elektroantrieb sollen in den kommenden Jahren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zunehmend ablösen. Viele Automobilfirmen arbeiten derzeit an der Entwicklung solcher Fahrzeuge mit Elektroantrieb und haben zum Teil auch schon solche Fahrzeuge auf dem Markt oder kurz vorder Markteinführung. Für Schrittmacher- oder Defibrillatorträger stellen sie eine potenzielle Interferenzquelle (EMI) dar. Die mögliche Beeinträchtigung der Patienten mit implantierten Schrittmachern bzw. Defibrillatoren reicht von einer unnötigen Nutzungseinschränkung bis zur lebensbedrohlichen Fehlfunktion des implantierten Geräts. Um das Risiko einer Wechselwirkung zwischen Elektroautos und Schrittmachern bzw. Defibrillatoren abschätzen zu können, haben Dr. Amir Brkic (Deutsches Herzzentrum München) und seine Kollegen eine Studie mit Patienten gemacht, die einen Herzschrittmacher oder oder Defibrillator hatten. Die Studie wurde bei den Deutschen Herztagen  in Berlin präsentiert.

Design

108 Patienten wurden im Rahmen einer Routine-Geräte-Kontrolle in die Studie eingeschlossen. Die Untersuchung auf potenzielle Interferenzquellen erfolgte auf einem Rollenprüfstand für Autos unter standardisierten Bedingungen in Kooperation mit Wissenschaftlern für Fahrzeugtechnik. Die Probanden wurden dem elektromagnetischen Feld von vier gebräuchlichen Elektroautos (Nissan Leaf, Tesla Model S, BMW i3, VW eUp) ausgesetzt. Sie fuhren die Fahrzeuge unter Lastwechseln und beschleunigten auch über 100 km/h.

Hauptergebnisse 

Laut Amir Brkic und seinen Kollegen wurden keine Geräte-Fehlfunktionen oder Umprogrammierungen beobachtet. Das elektromagnetische Feld im Fahrzeuginneren sei mit 2.0 bis 3.6 Mikrotesla klein, die Fahrgastzellen also gut abgeschirmt gewesen. Die größten elektromagnetischen Felder (EMF) seien während des Ladevorgangs identifiziert (bis 116µT) worden. 

Klinische Bedeutung

Aktuelle Elektroautos sind der Studie zufolge zwar keine Gefahr für Schrittmacher- oder Defibrillatorträger. Aber da offenbar unklar ist, ob der Ladevorgang zu einer Störung der kardialen Geräte führen kann, fällt es schwer, generell Entwarnung zu geben. Die Autoren empfehlen daher weitere Studien hierzu.

Finanzierung: keine Angaben