Herzoperation vermutlich keine Gefahr für die zerebralen Fähigkeiten


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Es gibt keinen Beleg für einen beschleunigten Abbau der Gedächtnisleistung durch herzchirurgische Eingriffe. 

Hintergrund

Nach Herzoperationen ist wie nach anderen großen chirurgischen Eingriffen auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Manche Patienten, denen ein herzchirurgischer Eingriff bevorsteht, fürchten daher, dass ihre geistige Leistungsfähigkeit durch die Operation und die Vollnarkose dauerhaft erheblich geschädigt wird. Die vorliegenden Studien dazu sind allerdings meist klein und mit einer Dauer von etwa drei oder sechs Monaten überwiegend zu kurz, um aussagekräftige Daten gewinnen zu können.

Design

Retrospektive Auswertung der Daten einer populationsbasierten US-Langzeitstudie, in der die Teilnehmer zu Beginn und dann alle zwei Jahre in Interviews unter anderem zu ihrem Gesundheitszustand einschließlich ihrer geistigen Leistungsfähigkeit befragt wurden. Gefragt wurde außerdem immer nach kardialen Eingriffen.

Bei mehr als 3000 Teilnehmern wurde zwischen 2000 und 2014 ein solcher Eingriff vorgenommen. Bei 1921 Teilnehmern handelte es sich um einen Katheter-Eingriff, der in der Regel ohne Vollnarkose vorgenommen wurde, bei 1184 um eine herkömmliche Herzoperation. Alle waren zum Zeitpunkt des Eingriffes über 60 Jahre alt. Verglichen wurde die Gedächtnisleistung vor und nach dem kardialen Eingriff. Ausgehend von den realen Daten wurde berechnet, wie groß bei einem kausalen Zusammenhang zwischen Operation und kognitivem Abbau die Risikozunahme für einen 75-Jährigen wäre, seine Finanzen und seine Medikation nicht mehr managen zu können. 

Hauptergebnisse

  • Es gab keinen relevanten Unterschied bei der Abnahme der Gedächtnisleistungen zwischen beiden Studien-Gruppen.  
  • Gäbe es einen kausalen Zusammenhang zwischen Operation und kognitivem Abbau, betrüge für einen 75-Jährigen die Zunahme des Risikos, seine Finanzen und seine Medikation nicht mehr managen zu können, nur absolute 0,26% und 0,19%. Dies würde bedeuten, dass von 383 Patienten, die am Herz operiert wurden, ein  Patient seine Finanzen nicht mehr alleine regeln könnte, und von 513 ein Patient seine Medikation nicht mehr. 

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse der Studie können dazu verwendet werden, Patienten vor einer Herzoperation über das Risiko einer postoperativ verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit aufzuklären. Zu beachten ist allerdings, dass es sich nur um eine retrospektive Studie handelt. Zu definitiven Klärung wären daher daher prospektive Langzeitstudien erforderlich.

Finanzierung: National Institute of General Medical Sciences of the National Institutes of Health; the National Institute on Aging; the Foundation for Anesthesia Education and Research.