Herzinsuffizienz bei Diabetes: Registerdaten offenbaren Versorgungslücken

  • Diabetic Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Prävalenz der Herzinsuffizienz bei Diabetes-Patienten beträgt laut deutschen Register-Daten nur 5,1 Prozent, was deutlich niedriger als erwartet ist. Die Prävalenz steigt mit dem Alter. Erwartungsgemäß haben Diabetes-Patienten mit Herzinsuffizienz im Vergleich zu Diabetes-Patienten ohne Herzinsuffizienz ein höheres Alter, mehr Begleiterkrankungen und häufiger Spätkomplikationen ihrer Stoffwechselerkrankung.

Hintergrund

Diabetes-Patienten haben häufig auch eine Herzinsuffizienz. Die Prävalenzen, die in randomisierten und klinischen Studien beobachtet werden, repräsentieren allerdings nicht die Häufigkeit im realen Versorgungsalltag. Für Deutschland gibt es derzeit keine Daten zur Herzinsuffizienz-Prävalenz bei Patienten mit Typ-2-Diabetes aus großen repräsentativen Kohorten. Daten zur Diabetes-Therapie und Behandlung von Begleiterkrankungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz sind rar. Daten, die für den Versorgungsalltag repräsentativ sind,  soll das Prospektive Diabetes-Register (DPV) liefern. 

Design

Untersucht wurden Daten von fast 290.000 in DPV registrierten Patienten mit Typ-2-Diabetes im Behandlungszeitraum von 2010 bis 2015. Ziel der Auswertung war die Erfassung der HF-Prävalenz mittels ICD (International Classification of Diseases)-Codierung und die Analyse der Behandlungssituation auf der Basis der standardisierten Dokumentation mit multizentrischer Beteiligung. Über 400 Behandlungseinrichtungen, vorwiegend aus Deutschland und Österreich, dokumentieren im DPV-Register diabetesrelevante Patientendaten. 

Hauptergebnisse

  • 14 723 Patienten hatten einen Typ-2-Diabetes (ICD: E11) und eine Herzinsuffizienz (ICD: I50). Die Prävalenz der Herzinsuffizienz betrug 5,1 Prozent. 
  • Patienten mit Typ-2-Diabetes  und Herzinsuffizienz waren im Durchschnitt älter und länger an Diabetes erkrankt als Patienten ohne Herzinsuffizienz. 
  • Bis zum Alter von 79 Jahren waren  prozentual mehr Männer betroffen, danach wurde die Herzinsuffizienz bei Frauen häufiger diagnostiziert.
  • Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Diabetes-Dauer ergaben die Analysen bei den Patienten mit Herzinsuffizienz niedrigere HbA1c- und höhere BMI-Werte. Zudem bekamen sie eine intensivere Insulin-Therapie. Systolischer und diastolischer Blutdruck war bei ihnen im Mittel geringer.
  • Typ-2-Diabetiker mit Herzinsuffizienz hatten niedrigere LDL-C- und Triglycerid-Spiegel, was auf die bei ihnen häufigere intensivierte Lipidsenker-Therapie zurückzuführen ist. Die LDL-C-Zielwerte von
  • Von den herzinsuffizienten Diabetes-Patienten hatten prozentual mehr Patienten eine KHK, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall in der Vorgeschichte und eine antihypertensive Medikation.

Klinische Bedeutung

„Dass die Häufigkeit der Herzinsuffizienz in der DPV-Analyse mit knapp über 5 Prozent deutlich geringer war als erwartet, könnte in der reinen Erfassung über ICD-Code begründet sein“, kommentiert Studien-Koautor Professor Diethelm Tschöpe, Vorsitzender der Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker) in einer Mitteilung zu der Studie. Man könne nicht sicher davon ausgehen, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes im Zeitraum von 2010 bis 2015 gezielt auf HF untersucht worden seien. Wahrscheinlicher sei, dass eine aktive Diagnostik vielfach gefehlt habe, „zumal die Herzinsuffizienz als prognostisch bedeutsame Komplikation bei Diabetes erst in den letzten drei Jahren breit akzeptiert in den Fokus gerückt ist“. Die klinische Erfahrung zeige derzeit noch, dass die Herzinsuffizienz und vor allem die Frühstadien der HF bei Patienten mit Diabetes oft unentdeckt und unbehandelt blieben. 

Die Studie zeige darüber hinaus, dass die lipidsenkende Therapie bei herzinsuffizienten Diabetes-Patienten unzureichend sei. Insgesamt sprechen die Ergebnisse nach Angaben der Autoren für eine frühere und intensivere Therapie von Typ-2-Diabetes-Patienten mit Begleiterkrankungen. Und bei der antidiabetischen Therapie sollte verstärkt auf Medikamente geachtet werden, die nicht nur den Blutzucker senken, sondern auch kardiovaskulär sicher sind. 

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Deutsche Diabetes-Gesellschaft, European Foundation for the Study of Diabetes (EFSD)