Herzinfarkt: Weihnachtstage sind gefährlich, Spiele wie Bayern gegen Liverpool dagegen kardiologisch sicher


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Während der Weihnachtstage und am Mittsommerfest war die Herzinfarkt-Rate in der vorliegenden schwedischen Langzeitstudie am höchsten. Vor allem an Heiligabend war das Risiko erhöht. Die Osterzeit dagegen und sogar Sportereignisse waren mit keiner erhöhten Infarkt-Rate assoziiert.

Hintergrund

In mehreren epidemiologischen Studien ist bereits festgestellt worden, dass Herzinfarkte, kardiale Todesfälle und kardial bedingte Klinik-Aufnahmen während der Weihnachtstage und Neujahrszeit besonders häufig sind. Erhöhte Infarkte-Raten wurden auch während Umweltkatastrophen, Sportereignissen und Börsen-Crashs festgestellt. In der vorliegenden Studie wurde nun über einen langen Zeitraum geprüft, ob die Herzinfarkt-Rate einem circadianen Rhythmus unterliegt und von externen Faktoren wie Urlaubszeit und Sportereignissen beeinflusst wird. Publiziert wurden die Ergebnisse in der „Christmas“-Ausgabe des britischen Ärzteblattes, in der traditionell der wissenschaftliche Ernst von etwas Augenzwinkern begleitet wird.

Design

Retrospektive Beobachtungsstudie mit den Daten von 283.014 Herzinfarkt-Fällen aus dem schwedischen Register SWEDEHEART (Zeitraum 1998 bis 2013). bei allen Patienten war der Zeitpunkt des Symptombeginns dokumentiert worden. Vergleichszeitraum waren die beiden Wochen vor und nach den Feiertagen (bei Sportereignissen die 12 Monate davor und danach). Berechnet wurde die IRR (incidence rate ratio).

Hauptergebnisse

  • Weihnachtszeit und Mittsommerfest waren mit einer erhöhten Herzinfarkt-Inzidenz assoziiert (IRR 1,15, 95% CI 1,12 - 1,19, p
  • Das höchste Risiko besteht den Berechnungen nach am Heiligen Abend (1,37, 1,29 - 1,46, p
  • Darüber hinaus stellten die Autoren ein erhöhtes Infarkt-Risiko am Morgen (8 Uhr) fest. Ausnahme war Heiligabend (Risikogipfel etwa 22 Uhr).
  • Innerhalb der Woche ist den Autoren zufolge der Montag am gefährlichsten.
  • Besonders gefährdet sind den schwedischen Daten zufolge - in Übereinstimmung mit Daten aus vielen anderen Ländern - über 75-Jährige, Diabetes-Kranke und KHK-Patienten. 
  • Kein erhöhtes Risiko wurde für die Osterferien und Sportereignissen ermittelt.

Klinische Bedeutung

Die Studie legt nach Angaben der Autoren die  Annahme nahe, dass Emotionen und externe Triggerfaktoren bei Menschen mit erhöhtem Herzinfarkt-Risiko eine Rolle in der Genese des Infarktes spielen. Die Studie stützt unter anderem die Empfehlung, sich an den Weihnachtstagen etwas Ruhe zu gönnen und auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu besinnen. Zudem kann aus der Studie die vielleicht etwas überraschende Schlussfolgerung gezogen werden, dass aus kardiologischer Sicht in der Regel nichts dagegen einzuwenden ist, ein Fussballspiel oder andere spannende Sportereignissse im Stadion oder auf der Couch vor dem Fernseher zu verfolgen. Zu den vielen noch zu klärenden Fragen zählt die, ob sich mit einer Steigerung der Dosis von Statinen, Antihypertensiva und Plättchenhemmern oder auch der passageren Gabe leicht sedierender Wirkstoffe dem erhöhten Infarkt-Risiko zu Weihnachten vorgebeugt werden könnte. 

Finanzierung: öffentliche Mittel und Stiftungen