Herz-Medikamente: weiterhin unterschiedliche Verschreibungsraten bei Frauen und Männern


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Zwischen Männern und Frauen mit kardiovaskulären Krankheiten gibt es bei der Verschreibung von Medikamenten gegen Herzgefäß-Krankheiten immer noch Unterschiede. Bei den Verschreibungsraten ist zwar eine abnehmende Tendenz festzustellen, die Differenzen sind aber alles andere als verschwunden. Das Geschlecht ist bei drei von vier untersuchten evidenz-basierten Medikamentengruppen noch immer ein wichtiger Faktor bei der Verschreibung.

Hintergrund

Unterschiede in der Versorgung von herzkranken Frauen und Männern sind seit einigen Jahren ein großes Thema in der Medizin. So wurde in mehreren Studien über eine höhere Mortalität nach Herzinfarkt von Frauen im Vergleich zu Männern berichtet. Wer heute einen Herzinfarkt erleidet, hat zwar deutlich größere Überlebenschancen als noch vor 25 Jahren. Allerdings gilt das für Frauen nur eingeschränkt: Wie eine europaweite Analyse von Daten der WHO zeigt, ist die altersadjustierte Sterblichkeit nach einer KHK in den letzten 25 Jahren bei Männern um durchschnittlich 49 Prozent, bei Frauen aber nur um 39 Prozent gesunken.

Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Pharmakotherapie. Mehrere Studien und Kohorten-Analysen haben Unterschiede bei der Verschreibung von Evidenz-basierten Herz-Medikamenten zwischen Frauen und Männern mit kardiovaskulären Erkrankungen gezeigt. Um solche Differenzen bei der Sekundärprävention zu reduzieren, wurde in Deutschland ein 2004 ein DMP etabliert. Dr. Bernd Hagen vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Köln hat nun die Verschreibungsraten bei Plättchen-Hemmern, bei Blutdrucksenkern vom Typ der ACE-Hemmer sowie Betablocker und bei Lipidsenkern vom Typ der Statine im Jahr 2008 mit dem Jahr 2016 in der Region Nordrhein verglichen. Ergebnisse hat er auf dem Kongress der europäischen Kardiologen-Gesellschaft in München präsentiert. 

Hauptergebnisse 

Der Faktor Geschlecht war 2016 statistisch signifikant bei der Antiplättchen-Therapie, bei ACE-Hemmern und bei Statinen; eine Ausnahme waren Beta-Blocker. „Diese Ergebnisse bestätigen, dass es noch immer von herausragender Bedeutung ist, die Sekundärprävention bei Frauen mit einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu verbessern“, so Bernd Hagen. Immerhin: Die Gesamtverschreibungen zeigen eine insgesamt steigende Tendenz, die bei Frauen stärker ausgeprägt war als bei Männern. „Als Ergebnis verringerten sich die Unterschiede der Verschreibungsraten zwischen Männern und Frauen, blieben aber besonders bei Statinen und Anti-Plättchen-Medikamenten relativ groß“, so Hagen. So verringerten sich die Unterschiede bei Plättchen-Hemmern von 7,1 auf 6,3 Prozent, bei Beta-Blockern von 4,8 auf 2,5 Prozent, bei ACE-Hemmern von 5,9 auf 4,6 Prozent und bei Statinen von 10,5 auf 8,3 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Daten zeigen zwar, dass die Unterschiede bei den Verschreibungsraten kleiner geworden sind, aber nicht völlig verschwunden sind. Das DMP hat vermutlich mit zu den kleineren Differenzen beigetragen. Eine Frage dabei ist, welchen Stellenwert man den Verschreibungsraten gibt, wenn es um die Frage geht, ob die Qualität der Versorgung von herzkranken Frauen und Männern gleichwertig ist. Eine weitere Frage ist vor allem die nach den Gründen der immer noch bestehenden Unterschiede. Unstrittig dürfte sein, dass es mehrere Gründe gibt.