Hepatitis B: Impfschutz ist vor allem bei Risikogruppen unzureichend


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Hepatitis-B-Impfquoten sind nicht nur in der Allgemeinbevölkerung, sondern insbesondere auch in den Risikogruppen unzureichend. Darauf macht das Robert Koch-Institut (RKI) anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 30/2018 aufmerksam.

Hintergrund

Auch wenn Deutschland zu den Niedrigprävalenzregionen für Hepatitis B zählt, wurden im Jahr 2017 nach Angaben des RKI insgesamt 3.622 Hepatitis-B-Fälle übermittelt. Das sind 133 Fälle mehr als im Vorjahr. Gründe hierfür sind die Erweiterung der Falldefinition auf Fälle ohne spezifische Symptomatik, oder mit unbekanntem klinischen Bild sowie das vermehrte Testen von Asylsuchenden, heißt es im Epidemiologischen Bulletin. Risikogruppen seien weiterhin besonders betroffen. Dabei steht seit 1982 ein HBV-Impfstoff mit hoher Wirksamkeit und guter Verträglichkeit zur Verfügung, der einen langjährigen, möglicherweise sogar lebenslangen Schutz gegen eine Hepatitis B-Erkrankung bietet. 

Hauptergebnisse

Als unzureichend erklärt das RKI die Impfquote für Hepatitis B unter den Schulanfängern. So ergaben Schuleingangsuntersuchungen des Jahres 2016 bundesweit, ähnlich wie in den Vorjahren, bei 87,3 Prozent der Kinder mit vorliegendem Impfpass eine vollständige Grundimmunisierung. Damit ist die Durchimpfungsrate niedriger als bei Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis und Hämophilus-influenzae-Typ-b (Impfquoten 2016: 92,6 -94,8%).

Einen unzureichenden Impfschutz weisen jedoch vor allem Menschen aus Risikopopulationen auf. Dazu gehören insbesondere injizierende Drogengebrauchende, von denen nur 32 Prozent einen HBV-Impfschutz aufweisen. Genauso Männer, die mit Männern Sex (MSM) haben. Hier sind trotz umfangreicher Impfkampagnen weniger als die Hälfte der untersuchten MSM mit HIV gegen Hepatitis B geimpft. So erklärt sich auch die vergleichsweise hohe Rate an Koinfektionen. Daten zur Impfquote für Menschen mit Migrationshintergrund liegen bislang noch nicht vor. 

Therapeutischer Nutzen

Das RKI fordert daher, Strategien zur Erhöhung der Impfquoten für die Allgemeinbevölkerung und die unterschiedlichen Risikogruppen zu evaluieren. Außerdem werde dringend empfohlen, alle Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie definierte Risikogruppen konsequent zu impfen, insbesondere bei Sexualverhalten mit hoher Infektionsgefährdung oder injizierendem Drogengebrauch.