Hepatitis B: Biomarker identifiziert, der klinischen Verlauf vorhersagen könnte

  • Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Hepatitis-B-Viren mit vier benachbarten Punktmutationen (Vierpunktmutation) im Genom sind offenbar mit einer sehr guten Prognose für den klinischen Verlauf der chronischen Hepatitis-B-Infektion assoziiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Universität Frankfurt am Main und dem Paul-Ehrlich-Institut, die kürzlich in der Online-Ausgabe von JCI veröffentlicht wurde. Diese Vierpunktmutation könnte als Biomarker für die Einordnung der Erkrankung und als Hilfestellung für das weitere therapeutische Vorgehen bei Patienten mit einer Hepatitis-B-Infektion dienen.

Fast die Hälfte inaktiver HBV-Träger weist Vierpunktmutation auf

Das Forscherteam um Kai-Henrik Pfeiffer indentifizierte in Blutproben von 560 inaktiven HBV-Trägern erstmalig eine offenbar weit verbreitete und prognostisch relevante Vierpunktmutation (GCAC1809-1812TTCT) – vier Punktmutationen benachbarter Nukleinbasen – in einem bestimmten Virusgenombereich (Kozak-Sequenz). Diese Mutation fand sich in 42 Prozent der Proben und war eng assoziiert sowohl mit der BCP-Doppelpunktmutation als auch mit niedrigen Spiegeln der HBV-DNA im Blut, berichten die Wissenschaftler in einer Mitteilung des PEI. In-vitro-Untersuchungen bestätigten diesen positiven Zusammenhang. Darüber hinaus fand sich bei keinem von 125 Patienten mit einer HBV-bedingten Leberzirrhose diese Vierpunktmutation.

Aus diesen und weiteren Analysen folgerte das Forschungsteam, dass es eine enge Assoziation zwischen der Vierpunktmutation und einer nicht aktiven Hepatitis-B-Infektion gibt. Für die beschriebene BCP-Doppelpunktmutation wurde dagegen eine starke Korrelation mit dem Auftreten einer Leberzirrhose festgestellt, allerdings nur beim Fehlen der Vierpunktmutation, so die Wissenschaftler. Die Vierpunktmutation liegt demnach häufig bei inaktiven HBV-Trägern vor und scheine die BCP-Doppelpunktmutation, die mit schlechterer Prognose einhergeht, zu kompensieren.

Patienten identifizieren, die von einer Therapie profitieren

"Unsere Daten weisen darauf hin, dass die von uns beschriebene Vierpunktmutation ein zuverlässiger Biomarker für die Prognose eines günstigen klinischen Verlaufs einer Hepatitis-B-Infektion sein könnte", erläutert Erstautor Kai-Henrik Peiffer die Bedeutung der Ergebnisse. Gerade vor dem Hintergrund kostenintensiver Langzeittherapien, die mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen können, seien prognostische Marker wichtig, um die Zielgruppe zu identifizieren, die von der Behandlung besonders profitieren. Zu den bislang etablierten Biomarkern gehören die Viruslast oder die Bestimmung der Menge des Oberflächenantigens des Virus im Blut.