Hebammenausbildung: Verbände kritisieren geplante Reform

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Berlin (pag) – Der Spitzenverband Fachärzte Deutschland (SpiFa), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) warnen vor der geplanten Hebammenausbildungsreform. Auch das Deutsche Netzwerk Evidenz-basierte Medizin (EbM-Netzwerk) äußert Bedenken.

Der SpiFa befürchtet eine zunehmende „Substitution ärztlicher Leistungen“. „Das haben wir unlängst bei der begonnenen Reform der Psychotherapeutenausbildung gesehen, jetzt setzt sich das bei den Hebammen fort“, kritisiert SpiFa-Hauptgeschäftsführer Lars F. Lindemann. BVF-Vorsitzender und SpiFa-Vorstandsmitglied Dr. Christian Albring spricht von „Zwangsakademisierung“. Diese werde die personellen Engpässe in den Kreißsälen und bei der Betreuung von Frauen im Wochenbett verschärfen. Der SpiFa betont, dass man an dem jetzigen System festhalten sollte. Schließlich könnten schon heute angehende Hebammen zwischen Ausbildung und Studium wählen. Die meisten würden sich für eine Ausbildung an einer Hebammenschule entscheiden, sagt der SpiFa.

Eine Neuausrichtung der Hebammenausbildung erscheine vor dem Hintergrund einer stärkeren wissenschaftlichen Orientierung sinnvoll und notwendig, findet die KBV. Aber: „Eine Ausweitung auf die gesamten Inhalte der ärztlichen Schwangerenvorsorge, pathologische Schwangerschaftsverläufe und Fragen der Familienplanung außerhalb von Wochenbett und Stillzeit lehnt die KBV jedoch ab“, heißt es in einer Stellungnahme. Ferner warnt sie vor „Doppelstrukturen“. Die KBV meint außerdem, dass es schwierig sei, die komplexen Ausbildungsziele in einem Bachelorstudium zu vermitteln.

Das EbM-Netzwerk heißt den Gesetzentwurf grundsätzlich gut, vermisst allerdings einen evidenzbasierten Ansatz in den Studienzielen. Auch die hochschulgesetzlichen Vorgaben der Bundesländer würden im Entwurf nicht ausreichend beachtet. Ein Bachelor-Abschluss reiche nach Auffassung des Netzwerks nicht aus, um an einer Hochschule lehren zu können.