HCV-Therapie verringert die Zahl der Lebertransplantationen


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Neue Behandlungsmöglichkeiten der Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) mit modernen antiviralen Medikamente machen weniger HCV-bedingte Lebertransplantationen notwendig. Dies zeigt eine aktuelle Analyse von Patientendaten aus elf Transplantationszentren, die am Deutschen Hepatitis-C-Register beteiligt sind. Die Ergebnisse publizierten Wissenschaftler um Professor Kerstin Herzer vom Universitätsklinikum Essen jüngst im Journal of Hepatology.

Hintergrund

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts leben in Deutschland rund 200.000 bis 250.000 Menschen, die mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert sind. Bleibt eine HCV-Infektion unbehandelt, kann sich daraus eine Leberzirrhose sowie ein Leberzellkarzinom entwickeln. Damit ist eine HCV-Infektion in Europa und den USA eine der häufigsten Indikationen für eine Lebertransplantation. Durch die seit 2014 in Deutschland zugelassenen antiviralen Medikamente (DAAs – Direct Acting Antiviral Agents) lässt sich bei mehr als 95 Prozent der chronisch infizierten Patienten innerhalb von 12 Wochen eine dauerhafte HCV-Eradikation erreichen.

Design

Welchen Einfluss der Einsatz der antiviralen Therapie auf die Anzahl der Lebertransplantationen in Deutschland hat, untersuchte ein Team um Professor Kerstin Herzer vom Universitätsklinikum Essen. Die Wissenschaftler werteten die Daten von elf Transplantationszentren im gesamten Bundesgebiet zu den Lebertransplantationen der Jahre 2010 bis 2016 aus. Dabei konnten sie mehr als die Hälfte aller in diesem Zeitraum in Deutschland durchgeführten Lebertransplantationen berücksichtigen. Alle Patientendaten stammten aus Zentren, die am Deutschen Hepatitis-C-Register beteiligt sind.

Hauptergebnisse

Die Studie macht deutlich, dass der klinische Effekt durch die HCV-Therapie zu einer Veränderung der Lebertransplantationszahlen führt. Schon in den ersten drei Jahren nach Zulassung der ersten DAAs im Jahr 2014 sank der Anteil der Hepatitis-C-Patienten an allen Personen, die für eine Lebertransplantation gelistet waren beziehungsweise eine neue Leber erhalten haben, um mehr als 50 Prozent. Die Auswertung belegt auch, dass die antivirale HCV-Therapie der Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation effektiv und sicher ist. Die Heilungsrate stieg von 32 Prozent im Jahr 2010 auf 100 Prozent im Jahr 2016, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Leberstiftung.

Klinische Bedeutung

Die Daten sind von großer Bedeutung, weil sie erstmals auch für Deutschland zeigen, dass die antivirale Hepatitis C-Therapie tatsächlich einen relevanten Einfluss auf die Notwendigkeit der Lebertransplantation für die entsprechenden Patienten hat, sagte Prof. Kerstin Herzer, Erstautorin der Veröffentlichung. Auch Heiner Wedemeyer, medizinischer Geschäftsführer der Leberstiftungs-GmbH unterstrich den Nutzen der HCV-Therapie: „Der Rückgang der Lebertransplantationen für Patienten mit Hepatitis C bietet Patienten mit anderen Lebererkrankungen, die nicht so gut behandelt werden können, eine erhöhte Chance auf eine Transplantation und damit auf Heilung.“ Da es weniger Lebern gibt als benötigt werden, sei dies von hoher Relevanz.