Hawaii: 82 Fälle von Infektionen mit dem Ratten-Lungenwurm seit 2007 gemeldet

  • Am J Trop Med Hyg

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Von 2007 bis 2017 meldete die hawaiianische Gesundheitsbehörde 82 Fälle einer Infektion mit dem Ratten-Lungenwurm Angiostrongylus cantonensis, von denen 62% (n = 51) bestätigt wurden und 38% (n = 31) wahrscheinlich waren; zwei Menschen starben in Folge der Infektion. Vor allem auf der Ostseite von Big Island, der größten Insel des hawaiianischen Archipels wurden zahlreiche Infektionen mit dem tropischen Parasiten dokumentiert. Dies geht aus einer Studie hervor, die jüngst im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene veröffentlicht wurde.

Schnecken als Zwischenwirte

Larven von A. cantonensis werden von Ratten (Hauptwirt) mit dem Kot ausgeschieden und von Schnecken, Garnelen oder Krebsen gefressen. Als Hauptinfektionsquelle identifizierten Studienleiter David I. Johnston, Epidemiologe beim Hawaii State Department of Health und seine Kollegen eine Halbnacktschneckenart (Parmarion martensi), die als Zwischenwirt fungiert und sich mit Vorliebe auf Gemüse- und Obstplantagen aufhält.

Zu einer menschlichen Infektion kommt es vor allem durch den Verzehr infizierter roher oder nicht durchgegarter Schnecken sowie durch den Verzehr von ungewaschenem Obst und Gemüse. So berichteten 80 Prozent der infizierten Hawaiianer über Schnecken auf ihrem Grundstück, zwei Drittel über Ratten bzw. Rattenkot. Häufig gaben Betroffene an, ungewaschene Lebensmittel zu verzehren und/oder Gemüse und Obst selbst anzubauen.

Typische Symptome einer Meningitis

Obwohl die Larven in einem menschlichen Wirt nicht zu erwachsenen Würmern heranwachsen können, sind sie in der Lage vom Gastrointestinaltrakt zu den Hirnhäuten zu wandern, wo sie eine eosinophile Meningitis hervorrufen. Die Patienten klagen über starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome klingen meist nach wenigen Tagen wieder ab; ein tödlicher Verlauf ist sehr selten.

Die Untersuchung des Liquors auf Parasitenbefall sowie ein Echtzeit-Polymerase-Kettenreaktionstest PCR-Test) sind derzeit die einzige Möglichkeit, die aufgrund der klinischen Symptome gestellte Verdachtsdiagnose einer Angiostrongyliose zu bestätigen. Johnston und Kollegen fanden unter den dokumentierten Fällen nur eine Person, deren Liquor tatsächlich Parasitenlarven aufwies während bei 48 der PCR-Test positiv ausfiel. Zwei Fälle hatten trotz Eosinophilie zunächst ein negatives PCR-Ergebnis, das bei Wiederholung des Tests nach einer Woche positiv wurde.

Vermutlich hohe Dunkelziffer

Die Zahl der an die hawaiianische Gesundheitsbehörde gemeldeten Fälle liege sehr wahrscheinlich unter der eigentlichen Inzidenz, da Personen, die asymptomatisch sind oder nur leichte Symptome aufweisen, höchstwahrscheinlich keinen Arzt aufsuchen, geben die Autoren der Studie zu bedenken. Dennoch hätten die Falluntersuchungen geholfen, die mit einer Infektion verbundenen Risikofaktoren besser zu beschreiben, auch wenn noch vieles unklar bliebe. So etwa, warum bestimmte Regionen des haiwaiianischen Bundessataates eine höhere Infektionsrate aufweisen als andere.

Verbesserte diagnostische Tests sowie ein wachsendes Bewusstsein für die Erkrankung unter Gesundheitsdienstleisten und in der Bevölkerung sollen helfen, künftig Fälle schneller zu identifizieren und Infektionen durch Präventionsmaßnahmen zu vermeiden, hoffen die Wissenschaftler.