Hautpflege bei Neugeborenen mit Ekzem-Risiko: Mehr ist nicht besser

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine besonders intensive Hautpflege mit Emollienzen bei Neugeborenen mit einem erhöhten Risiko für eine Neurodermitis brachte in einer randomisierten Studie keine Vorteile und erhöht womöglich sogar das Risiko für Infektionen.

Hintergrund

Der Entwicklung einer atopischen Dermatitis geht in der Regel eine Dysfunktion der Hautbarriere voraus. Daher scheint es plausibel, dass der Schutz der Haut – etwa durch die tägliche Applikation von Pflegeprodukten – der Entstehung einer Neurodermitis vorbeugen könnte.

Design

Multizentrische, pragmatische, randomisierte Studie im Parallelgruppen-Design in 16 britischen Kliniken und primären Versorgungseinrichtungen. Familien, für deren Kinder ein hohes Risiko bestand, weil ein Verwandter ersten Grades mit Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma diagnostiziert worden war, wurden in der Prä- oder Postnatalzeit auf die Studie hingewiesen. Eingeschlossen wurden 1394 Neugeborene, die im ersten Jahr randomisiert täglich entweder eine standardmäßige Hautpflege erhielten (Kontrollgruppe) oder zusätzlich ein spezielles Mittel, um die Haut feucht und geschmeidig zu halten (Emollienz; hier Diprobase-Creme oder DoubleBase Gel). Primäres Studienziel war der Nachweis eine Neurodermitis im Alter von 2 Jahren.

Ergebnisse

  • Die Adhärenz war gut. Unter den Teilnehmern, für die komplette Fragebögen vorlagen, hatte der Wert nach 3 Monaten 88 % betragen, nach 6 Monaten 82 % und nach einem Jahr noch 74 %.
  • Nach 2 Jahren hatten 23 % der mit Emollienzen behandelten Kinder (139 von 598) eine atopische Dermatitis, in der Kontrollgruppe waren es 25 % (150 von 612) – ein Unterschied von 1,2 Prozentpunkten.
  • Das adjustierte Relative Risiko wurde mit 0,95 zugunsten der Emolienz-Gruppe berechnet, was aber bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,78 – 1,16 keinen signifikanten Unterschied darstellt (p = 0,61).
  • Erfasst wurde auch die mittlere Zahl von Hautinfektionen pro Kind im Alter von einem Jahr. Sie betrug mit Emollienzen 0,23, in der Kontrollgruppe aber nur 0,15. Das entspricht einer adjustierten Inzidenzrate von 1,55 zuungunsten der Emollienz-Gruppe (95%-KI 1,15 – 2,09).

Klinische Bedeutung

Die zusätzliche tägliche Anwendung von Emollienzen im ersten Lebensjahr bringt bei Kindern mit erhöhtem Risiko für eine Neurodermitis keine Vorteile. Im Gegenteil scheint durch diese Praxis das Risiko von Hautinfektionen bzw. deren Verschleppung zu steigen.

Finanzierung: National Institute for Health Research Health Technology Assessment.