Hautkrebs nach Organtransplantation: HLA-Mismatches senken das Risiko bei Herz- und Lungenempfängern


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Empfängern eines neuen Herzens oder einer neuen Lunge sind HLA-Mismatches zwischen Spendern und Empfängern mit einem verminderten Hautkrebs-Risiko assoziiert. Nach Nieren-, Pankreas- oder Lebertransplantation wird ein Zusammenhang zwischen HLA-Mismatch und Hautkrebs nicht gefunden. Beim Hautkrebs-Monitoring nach Organtransplantation sollte der Mismatch-Grad mit berücksichtigt werden.

Hintergrund

Die Krebssterblichkeit ist bei Organempfängern doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung. Allgemein gilt: Je besser Spender und Empfänger solider Organe in den vorrangig untersuchten HLA-Bereichen -A, -B und -DR übereinstimmen, desto höher sind im Allgemeinen die Langzeitüberlebensraten der übertragenen Organe und der Patienten. Für Nieren zum Beispiel ist dieser Zusammenhang in internationalen, über mehrere Dekaden laufenden Studien gut belegt (1). Als Grund wird vermutet, dass bei hoher HLA-Kompatibilität die Abstoßungsneigung geringer ist als bei vielen HLA-Mismatches. Die Patienten benötigen weniger intensive Immunsuppression, sind besser vor Infektionen und Malignomen geschützt und das Risiko für Organtoxizitäten der Immunsuppressiva sinkt. Aber die Bedeutung von HLA-Matches für das Langzeitüberleben ist bei verschiedenen Organen unterschiedlich, und die Studiendaten sind teilweise widersprüchlich. Eine große, retrospektive Kohortenstudie hat die Frage der HLA-Kompatibilität unter dem Aspekt des Hautkrebs-Risikos nach Organtransplantation untersucht (2).

Design

  • Retrospektive Analyse von 10.649 Empfängern eines soliden Organs aus dem Transplant Skin Cancer Network in den USA (26 Transplantationszentren)
  • Alter und Geschlecht der Organempfänger: 51 Jahre bei Operation, 63 % männlich
  • Übertragene Organe: Nieren, Lebern, Lungen, Herzen und Bauchspeicheldrüsen
  • Zeitrahmen der Operationen: Januar bis Dezember 2003 und Januar bis Dezember 2008
  • Zeitrahmen der Analyse der Daten auf die Entwicklung von Hautkrebs: August 2016 bis Juli 2017

Hauptergebnisse

In der Gesamtgruppe gab es bei den untersuchten HLA-Merkmalen durchschnittlich 4,3 Mismatches pro Organ, möglich sind 0-6. Die Inzidenzen für die Entwicklung von Hauttumoren (Plattenepithel-, Merkel-Zell-Karzinom oder malignes Melanom) sanken durch HLA-Mismatches staitstisch signifikant, und zwar bei den Empfängern von Lungen und Herzen, nicht aber bei Transplantation anderer Organe. Pro zusätzlichem HLA-Mismatch reduzierte sich das Hautkrebsrisiko um jeweils 7-8 % (p = 0,01). Am ausgeprägtesten war der Schutzeffekt bei differierenden HLA-DR-Merkmalen (MHC-Klasse-II-Genkomplex).

Klinische Bedeutung

Die praktische Bedeutung des Studienergebnisses liegt nach Meinung der Autoren vor allem im Monitoring/Screening von Organempfängern auf Hautkrebs: Patienten mit wenigen HLA-Mismatches sollten besonders intensiv und engmaschig auf maligne Veränderungen der Haut untersucht werden, so die Forscher.

Eine mögliche biologische Erklärung sei, dass bei zunehmender Mismatch-Anzahl die MHC-Variabilität ansteigt und dem Immunsystem hilft, veränderte körpereigene oder fremde Antigene wie krebsassoziierte Krankheitserreger zu prozessieren und als schädlich zu "erkennen".

Finanzierung: Stiftungsmittel