Hautkrebs: Mit der Sunface App in den Zukunftsspiegel sehen


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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„Sunface App“ heißt die Anwendung, die Dr. med. Titus Brinker, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Heidelberg, entwickelt hat. Die App zeigt anhand von Selfies, wie das Gesicht in fünf oder 25 Jahren aussehen wird, je nachdem wie stark man sich UV-Strahlen ausgesetzt hat. Jetzt ist der junge Mediziner für seine Arbeit mit dem Young Research Award der La Roche-Posay Foundation ausgezeichnet worden.

Die App zeigt schonungslos, wie sich übermäßige Sonnenbäder und Solarien auf die Haut auswirken. Hintergrund ist, vor allem Jugendliche und junge Erwachsenen ihr persönliches Risiko für Hautkrebs vor Augen zu führen. „Die Haut vergisst nichts. Die Sunface App verdeutlicht das sehr eindrücklich und richtet sich primär an eine Altersgruppe, die man ansonsten mit Präventionsmaßnahmen nur schwer erreicht“, erklärt Prof. Dr. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, der die Auszeichnung bei Frühjahrstagung der Klinik am 24. März mit überreichte. Vor allem junge Leute würden immer noch versuchen mit ausgedehnten Sonnenbädern ihre Attraktivität zu steigern, so Brinker. Den meisten ist nicht klar, dass die Haut damit nachhaltig geschädigt wird und das Risiko für maligne Melanome steigt.

Die App ist kostenlos für Android Smartphones und iphones erhältlich und funktioniert folgendermaßen: Man nimmt ein Selfie auf, bestimmt den Hauttyp und eine von drei verschiedenen Optionen (Sonnenschutz, kein Sonnenschutz oder wöchentlicher Solariumsbesuch). In einem weiteren Schritt kann man dann dem eigenen um fünf bis 25 Jahre gealterten Gesicht ins Auge blicken. Die App berechnet, wie die Exposition gegenüber der Sonne das Risiko für Hautkrebs erhöht. Erklärt wird auch, wie man sich richtig vor UV-Strahlen schützt und wie man Melanome möglichst früh erkennt.

Im Rahmen einer kleineren Pilotstudie wurde die App bereits im letzten Jahr an zwei Gymnasien getestet. Schüler im Alter zwischen 13 und 18 durften die App nutzen und ihre Bilder und die der Klassenkameraden beurteilen. Die Reaktionen und Normen des sozialen Umfelds sind mitentscheidend für das Verhalten von Jugendlichen, davon ist Brinker überzeugt. Wie sich diese Maßnahme auf das Verhalten der Schüler auswirken kann, und ob insbesondere die hellen Hauttypen von ihr angesprochen werden, maßen die Wissenschaftler mittels anonymer Fragebögen. Das Ergebnis: Die App motiviert Jugendliche deutlich, sich besser vor UV-Strahlung zu schützen und Solarien zu meiden. „Die Sunface App scheint ihren Zweck als niederschwellige Präventionsmaßnahme zu erfüllen“, so Dr. Brinker. Prospektive Effekte müssen langfristig angelegte Folgestudien mit Vergleichsgruppe allerdings noch bestätigen.

Die Häufigkeit von Melanomen nimmt weltweit zu. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 3.000 Menschen an Hautkrebs. UV-Strahlung in jungen Jahren gilt als wichtiger Risikofaktor. Am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg hat man die Forschungsgruppe „App Entwicklung“ eingerichtet. Dort werden unter Leitung von Brinker weitere digitale Anwendungen für den Gesundheitsbereich kreiert. Brinker hat bereits mehrere Gesundheits-Apps entwickelt. Unter dem Stichwort „Education Against Tobacco“ hatte seine App zur Prävention von Rauchen unter Schülern so großen Erfolg, dass er dafür im letzten Jahr von der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel geehrt wurde und ein Stipendium erhielt.