Hausärzte kritisieren neue Teststrategie

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Berlin (pag) – Die Corona-Herbststrategie des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) erfährt deutlichen Gegenwind. Besonders kritisch werden die neuen Regelungen für Corona-Schnelltests gesehen. Diese kosten ab dem 1. Juli drei Euro. Es gibt allerdings Ausnahmen.

Laut Verordnungsentwurf (Stand: 25. Juni) bleiben die Bürgertests für folgende Personengruppen kostenfrei: Kinder bis fünf Jahre, Schwangere im ersten Trimester, Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher, Haushaltsangehörige von Infizierten, Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Auch wer am gleichen Tag eine Veranstaltung im Innenraum besucht, hat Anspruch, ebenso wie Personen, die auf ihrer Corona-Warn-App die Statusanzeige „erhöhtes Risiko“ erhalten. Der Anspruchsgrund müsse nachgewiesen werden. Auf die neue Testverordnung haben sich Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) geeinigt. Der will nicht mehr so viele Steuermittel ver(sch)wenden. „Denn es kann nicht alles auf Dauer vom Bund gezahlt werden, weil unsere Möglichkeiten an Grenzen gekommen sind.“ Lauterbach steht hinter der Entscheidung, verkündet aber per Twitter: „Kostenlos wäre mir auch viel lieber.“

Ärzteorganisationen begrüßen zwar das Ende der Gratistests, halten die neue Verordnung aber für Murks. „Die Idee, dass sich die Praxen Eintrittskarten oder ähnliches ihrer Patientinnen und Patienten als Nachweis vorlegen lassen, ist absurd. Arztpraxen sind keine Ordnungsämter“, kritisiert der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Er will die Praxen auch nicht als „Eintreiber“ der drei Euro sehen. „Wo bereits heute vielfach Testungen frei erfunden und abgerechnet werden, ist es ein leichtes, einen Besuch im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim zu behaupten“, befürchtet die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, warnt allerdings im Vorfeld vor dem Ende der bisherigen Regelung: „Ohne Bürgertests kann das Pandemiegeschehen kaum gemessen werden. Darum muss die erfolgreiche Test-Strategie über den Juni hinaus verlängert werden.“