Hausärzte fordern Stück vom extrabudgetären Kuchen

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Berlin (pag) – Die elektronische Patientenakte (ePA) muss nicht in Kassenhand liegen. Auch die Hausärzte sollen von der extrabudgetären Vergütung durch freie Sprechstunden profitieren. Geht es nach dem Deutschen Hausärzteverband, müssen geplante Gesetzesvorhaben noch einmal aufgeschnürt werden.

 

Nach jetzigem Stand bekommen die Krankenkassen die Hoheit über die ePA. Damit will sich Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, nicht abfinden. In anderen Ländern sei die ePA „Allgemeingut“, liege nicht in den Händen der Krankenkassen. Er befürchtet, dass diese zu tiefe Einblicke in die Patienten-Arzt-Beziehung bekommen. Die müsse aber einer gewissen Freiheit unterliegen. „Kassen als Patientenvertreter erlebe ich sehr selten“, meint er bei einem Pressefrühstück in Berlin. Die Digitalisierung in der Medizin müsse generell der Behandlung nutzen, Bürokratie abgebaut werden.

 

Nach dem ursprünglichen Referentenentwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollten die Hausärzte dazu verpflichtet werden, mindestens fünf Sprechstunden pro Woche anzubieten, bei denen Patienten auch ohne Termin behandelt werden. Der jetzige Kabinettsentwurf befreit sie – auch nach Protesten vom Hausärzteverband – von dieser Pflicht. Dennoch, fordert Weigeldt, sollten die Hausärzte von der extrabudgetären Vergütung profitieren, die im TSVG für Leistungen in der offenen Sprechstunde vorgesehen ist. Schließlich böten die Allgemeinmediziner in der Regel schon jetzt freie Sprechstunden an, mitunter mehr als die im TSVG vorgesehenen fünf Wochenstunden.

 

Die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) werde weiterentwickelt, kündigt Weigeldt an. Geplant ist eine App zur Kommunikation zwischen Patienten und Arzt. Sie solle beispielsweise Rezeptvergabe, Terminvereinbarungen oder Krankschreibungen vereinfachen. So müsse laut Weigeldt der Patient nicht in der Praxis vorstellig werden, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu bekommen. Er hält die HzV für zukunftsweisend. „Wir haben am Tag 1000 Patienten, die dazukommen. Wir denken, dass wir Anfang des Jahres bei fünf Millionen sind.“ Vom Erfolg sollen die Versicherten auch finanziell profitieren. Weigeldt bringt einen Bonus ins Spiel.