„Happy Heart Syndrome“ bei Eustress plus Psychopharmakon

  • European Heart Journal - Case Reports

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Fall der Woche
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Kernbotschaften

Beim Sex verspürt eine 49-jährige Frau plötzlich starke Brustschmerzen und etwas Atemnot. Als Grund für die Beschwerden ermitteln die behandelnden Ärzte ein Takotsubo-Syndrom (TS). Begünstigt worden sei dieses „Happy Heart Syndrome“ durch ein Medikament, vermuten die behandelnden Ärzte der Universitätskliniken in Stockholm.

Die Patientin und ihre Geschichte

Die 49-jährige Patientin kam wegen akuter Brustschmerzen in das Universitätskrankenhaus. Die Schmerzen waren plötzlich beim Geschlechtsverkehr aufgetreten und gingen mit etwas Luftnot und Schwindel einher. Eine koronare Herzerkrankung war nicht bekannt. Wegen einer Schilddrüsen-Unterfunktion nahm die Patientin Thyroxin ein und wegen chronischer neurogener Rückenschmerzen Pregabalin. Aufgrund der Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung) erhielt sie täglich Atomoxetin.

Die Befunde 

Die akuten Brustschmerzen verschwanden nach Einnahme von Nitroglyzerin. Ein EKG war unauffällig. Das Troponin T war leicht erhöht (Maximum 710 ng/l), das C-reaktive Protein lag unter 5 mg/l, die Cholesterin-Werte waren normal.

Eine Echokardiographie einen Tag nach der Aufnahme zeigte eine apikale Hypokinesie und eine reduzierte linksventrikuläre Auswurfleistung (30–35% ). Die Koronarangiographie war unauffällig.

Eine Echokardiographie drei Tage nach Symptombeginn ergab dann eine A- und Hypokinesie in den mittleren Abschnitten des linken Ventrikels, aber gute Kontraktionen in basalen und apikalen Segmenten. 

Die Therapie

Die Diagnose der behandelnden Kardiologen: Takotsubo-Syndrom in Zusammenhang mit körperlichem Eustress und Atomoxetin-Therapie . Sie setzten das Psychopharmakon daher ab und begannen eine Behandlung mit ASS, Betablocker und ACE-Hemmer. Die linksventrikuläre systolische Funktion verbesserte sich innerhalb eines Monats, wie ein kardiales MRT zeigte.

Schlussfolgerungen

Die Kasuistik bestätigt zum einen, dass das Takotsubo-Syndrom nicht nur durch belastende oder unerfreuliche Ereignisse und Aktivitäten getriggert werden kann, sondern auch durch angenehme. Zum anderen bestätigt die Fallgeschichte nach Angaben der Autoren, dass auch Arzneimittel das Syndrom auslösen können, in diesem Fall der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin. Eine ähnliche Fallgeschichte mit einem Takotsubo-Syndrom bei Therapie mit Atomoxetin und dem chemisch ähnlichen Fluoxetin wurde bereits vor drei Jahren publiziert ( J Psychiatr Pract“ ).