Handydaten liefern Datenflut zum weiblichen Zyklus

  • Nature Human Behaviour

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei den individuellen Veränderungen in der Stimmung, beim Verhalten und den Vitalparametern spielt der Menstruationszyklus gegenüber täglichen, wöchentlichen oder saisonalen Zyklen die weitaus wichtigste Rolle, so das Ergebnis der Auswertung einer Gesundheits-App bei einer halben Million Frauen.

Hintergrund

Stimmung, Verhalten und Vitalparameter des Menschen zeigen über unterschiedliche Zeitskalen hinweg eine zyklische Variabilität. Insbesondere der Menstruationszyklus sei wenig untersucht, schreiben die Autoren, weil dieser sich in der Population ausmittelt, wenn er nicht vor der Analyse justiert wird.

Design

Mittels eines Spezialprogrammes für Mobiltelefone (Die App „Clue“ der BioLink GmbH) wurden 241 Millionen Beobachtungen zu Stimmung, Verhalten und Vitalzeichen bei 3,3 Millionen Frauen in 109 Ländern aufgezeichnet und ausgewertet. Die Primäranalyse fokussiert auf 499.000 „menstruierende Personen“ der nördlichen Hemisphäre mit Angaben in jeweils mindestens 12 verschiedenen Monaten, um eine Abschwächung saisonaler Zyklen zu verhindern.

Ergebnisse

  • Die Zuverlässigkeit der Methode zeigte sich unter anderem daran, dass Populations-basierte Zyklen wie die Arbeitswochen sichtbar wurden, ebenso wie Ausreißer (als Beispiel werden höhere Glückswerte an Weihnachten genannt und niedrigere nach den US-Wahlen 2016).
  • Der zentrale Befund lautet, dass der Periode-Zyklus gegenüber täglichen, wöchentlichen und saisonalen Zyklen einen wesentlich größeren Einfluss auf die Stimmung, das Verhalten und die Vitalzeichen hat. Er hat für 7 von 9 Dimensionen die größte Amplitude (Differenz zwischen Maximum und Minimum) bei der Stimmung und dem Sexualverhalten, ebenso bei allen 3 Vitalzeichen (Körpertemperatur, Gewicht und Ruhepuls).
  • Für glückliche/traurige Stimmung war die Amplitude des Perioden-Zyklus um den Faktor 1,4 größer als beim Tageszyklus; 3,3-fach größer als beim Wochenzyklus, und 2,3-mal größer als beim saisonalen Zyklus (alle P
  • Prämenstruelle Effekte wie die Verschlechterung der Stimmung und sexuelle Unlust erwiesen sich als weitgehend unabhängig von den 87 untersuchten Ländern.

Klinische Bedeutung

Frauen, die Gesundheits-Apps auf ihrem Handy benutzen, sind vermutlich nicht in allen Ländern repräsentativ für das weibliche Geschlecht. Dennoch liefert die aktuelle Studie eine Fülle von Daten und gute Argumente, dem Menstruationszyklus mehr Beachtung zu schenken. Zukünftige Untersuchungen zur Stimmung, zum Verhalten und zu den Vitalzeichen könnten genauere Ergebnisse liefern, wenn der Menstruationszyklus mit einberechnet würde.  

Finanzierung: Die Autoren listen 9 öffentliche und private Einrichtungen / Stiftungen, die ihre Arbeit durch Stipendien unterstützt haben.