Häufigkeit von Suiziden im Zusammenhang mit einer stationären Langzeitpflege wird offenbar unterschätzt

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die sorgfältige Auswertung von US-Daten zu gewaltsamen Todesfällen mittels einer Spracherkennungssoftware deutet darauf hin, dass etwa 2,2 % der Suizide bei Menschen ab 55 Jahren auf die ein oder andere Weise mit einer stationären Langzeitpflege im Zusammenhang stehen.

Hintergrund

Etwa 800.000 Senioren in Deutschland leben in Altenheimen. In den USA erhalten nach Angaben der Autoren fast ein Viertel aller Empfänger der öffentlichen Krankenversicherung Medicare eine stationäre Langzeitpflege (SLP) – das wären etwa 12 Millionen Bürger. Zu dieser Population gäbe es keine verlässlichen Daten zur Häufigkeit von Suiziden, schreiben sie.

Design

Epidemiologische Querschnittsstudie mit geschützten Daten, die im Rahmen des National Violent Death Reporting System in den Jahren 2003 – 2015 erfasst wurden. Dort sind unter anderem Berichte von Rettungskräften und Polizei zu 47.759 Suiziden und Todesfällen mit ungeklärter Ursache aus 27 Bundesstaaten zu Menschen ab 55 Jahren gespeichert. Sie wurden abgeglichen mit der (manuell und mittels einer speziellen Spracherkennungssoftware gefundenen) Erwähnung einer SLP durch Gerichtsmediziner, sei es als Grund für den Suizid oder als Ort des Geschehens.

Ergebnisse

  • Unter 47.759 Suiziden und Todesfällen mit ungeklärter Ursache bei Personen ab 55 Jahren wurden 1037 Suizide im Zusammenhang mit einer SLP identifiziert. Darunter waren 428 Senioren, die in solch einer Einrichtung lebten, 449, die dorthin wechselten und 160 Personen, die auf andere Art mit SLP assoziiert waren.
  • Im Gegensatz zu obigen Zahlen waren im Berichtssystem nur 263 Fälle unter SLP kodiert worden.

Klinische Bedeutung

Über einen Zeitraum von 13 Jahren waren in der US-Bevölkerung etwa 2,2 % der Suizide bei Menschen ab 55 Jahren mit einer SLP assoziiert – das sind fast 4 Mal so viele, wie sich auf Anhieb in den offiziellen Aufzeichnungen finden ließen. Vergleichsweise hoch scheint der Anteil derjenigen, die in der Phase des Übergangs in eine stationäre Versorgung Selbstmord begehen, sodass hier besondere Aufmerksamkeit geboten scheint.

Finanzierung: National Institute of Mental Health.