Häufigkeit von Genitalverstümmelungen in Afrika offenbar drastisch gesunken


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In den letzten 3 Jahrzehnten ist der Anteil von Mädchen bis 14 Jahren, die eine Genitalverstümmelung bzw. Beschneidung erlitten, in Afrika deutlich gesunken. Am stärksten war dieser Trend in Ostafrika, wo die Prävalenz von über 70 % auf 8 % gefallen ist.

Hintergrund

Die Genitalverstümmelung / Beschneidung (GV/B) von Frauen ist eine Tradition, die in vielen afrikanischen und westasiatischen Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen praktiziert wird. Sie wird von zahlreichen Organisationen als Kindesmisshandlung und grobe Verletzung der Menschenrechte von Frauen kritisiert, da sie verheerende Folgen für die sexuelle, mütterliche und geistige Gesundheit hat. Laut den Autoren gab es bisher kaum Daten darüber, ob diese Praxis seltener geworden ist.

Design

Die Studie schätzt die Prävalenz und die Trends weiblicher GV/B im Zeitraum von 1990 bis 2017 mit dem Ziel, Veränderungen und geographische Unterschiede bei Mädchen im Alter von 0 bis 14 Jahren aufzuzeigen. Sie stützt sich dabei auf Daten des Demographic Health Survey (DHS) und des Multiple Indicator Cluster Survey (MICS) für 208.195 Mädchen aus 29 Ländern Afrikas und 2 Länder Westasiens.

Hauptergebnisse

  • Die Prävalenz von GV/B bei Kindern variierte stark sowohl zwischen den untersuchten Ländern und Regionen, als auch im zeitlichen Verlauf innerhalb einzelner Länder.
  • Am höchsten waren die Raten (jährliche Durchschnittswerte) in Mali (72,59 %), Eritrea (67,01 %), Mauretanien (61,2 %), Gambia (53,43 %) und Guinea (50,35 %); am niedrigsten in Ghana (0,40 %), Togo (0,53 %) und Kamerun (0,71 %).
  • Die stärkste Abnahme der Prävalenz gab es in Ostafrika (71,4 % 1995 gegenüber 8 % im Jahr 2016). In Nordafrika wurden GV/B ebenfalls seltener: 1990 waren es noch 57,7 %, 2015 dagegen 14,1 %. In Westafrika reduzierte sich die Prävalenz von 73,6 % im Jahr 1996 auf 25,4 % im Jahr 2017.
  • In den einzigen westasiatischen Ländern, die untersucht wurden (Jemen und Irak) hat die Prävalenz von GV/B seit 1997 beständig zugenommen.

Klinische Bedeutung

Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass die Zuverlässigkeit ihrer Zahlen begrenzt ist, da sie auf Befragungen zu einem sensiblen Thema beruhen und nicht auf medizinischen Untersuchungen. Dies alleine könnte jedoch den sehr deutlichen Rückgang weiblicher Genitalverstümmelungen und Beschneidungen in Afrika in verhältnismäßig kurzer Zeit kaum erklären, was nahe legt, dass auch lange zurückreichende kulturelle bzw. religiöse Traditionen nicht unveränderlich sind, wenn von staatlicher Seite der Wille und die Mittel zur Intervention vorhanden sind. Diese Bemühungen müssen fortgeführt werden und sie sollten nach Ansicht der Autoren auch auf jene Länder ausgedehnt werden, bei denen bisher noch kaum eine Abnahme der GV/B beobachtet wurde. Dazu müssten auch Daten in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens erhoben werden, unter denen in der aktuellen Untersuchung lediglich Yemen und der Irak beteiligt waren.

Finanzierung: National Center for Advancing Translational Science, National Institutes of Health, Stanford University.