Häufigkeit von Brüchen und Stürzen unter Vitamin-D-Supplementierung nicht verringert


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ein Update früherer Meta-Analysen mit einer Datenbasis von mehr als 50.000 Menschen findet keinen Nutzen für die Supplementierung der Nahrung mit Vitamin D. Weder in kleinen noch in großen Dosen konnten dadurch Brüche, Stürze oder eine Osteoporose verhindert werden.

Hintergrund

Unter anderem als „Sonnenvitamin“, das die Knochen stärkt, wird Vitamin D gerne beworben. Mit den freiverkäuflichen Pillen generieren die Hersteller weltweit Umsätze nahe der Milliarden-Grenze. Jedoch sind die Auswirkungen von Vitamin D auf Knochen- und Wirbelbrüche, auf Stürze und auf die Knochendichte ungewiss, so die Autoren.

Design

Systematische Übersicht und Meta-Analyse anhand von Literatursuchen für bereits veröffentlichte Meta-Analysen und zweier Aktualisierungen dieser Ergebnisse. Bewertet wurden randomisierte Studien mit Erwachsenen, in denen Vitamin D mit Therapieverzicht, Placebo oder niedrigeren Dosen von Vitamin D verglichen worden war, sowie Studien mit Mehrfachinterventionen, die sich nur bezüglich des Gebrauchs von Vitamin D unterschieden. Die Ko-primären Endpunkte waren Teilnehmer mit mindestens einer Fraktur/Hüftfraktur oder einem Sturz.

Hauptergebnisse

  • Grundlage der Auswertung waren 81 ausgewählte randomisierten Studien mit zusammen 53.537 Teilnehmern.
  • In der gepoolten Analyse hatte Vitamin D keinen Einfluss auf die Gesamtzahl von Frakturen. 36 Studien mit 44.790 Teilnehmern ergaben hier ein relatives Risiko von exakt 1,00 (95%-Konfidenzintervall 0,93 – 1,07).
  • In 20 Studien mit 36.655 Teilnehmern wurde das relative Risiko für eine Hüftfraktur mit Vitamin D auf 1,11 bestimmt, bei einem 95%-KI von 0,97 – 1,26.
  • In 37 Studien mit 34.144 Teilnehmern waren auch die Stürze unter Vitamin D nicht reduziert (RR 0,97; 95%-KI 0,93 – 1,02).
  • Ähnliche Ergebnisse fanden sich auch für höhere Dosen von Vitamin D (>800 IU).

Klinische Bedeutung

Ob viel oder wenig Vitamin D geschluckt wird, oder gar keines, macht bezüglich Knochenbrüchen, Knochendichte und Stürzen keinen Unterschied. Damit erweitert diese, gegenüber der letzten größeren Untersuchung im Jahr 2014 um mehr als 30 Studien ergänzte Meta-Analyse die Datenbasis erheblich. Erstautor Dr. Mark Bolland von University of Auckland in Neuseeland sieht keine Veranlassung, noch weiter in diese Richtung zu forschen und forderte die Änderung von Leitlinien, in denen die Vitamin D-Supplementation noch immer empfohlen werde. Eine Ausnahme bilden lediglich Hochrisikogruppen für Rachitis, Osteomalazie und ähnliche seltene Erkrankungen.

Finanzierung: Health Research Council of New Zealand.