Häufigkeit eines Alzheimer-Risikogens größer als gedacht


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Prävalenz der Genvariante ε4 des Apolipoprotein E (APOE) ist in bisherigen Studien nicht sicher genug eingeschätzt oder unterschätzt worden. Am größten ist die Prävalenz nach der vorliegenden Studie in Nordeuropa, am geringsten in Südeuropa. Sie ist nicht vom Geschlecht und vom Bildungsgrad abhängig, aber offenbar vom Alter. Eine Besonderheit der aktuellen Studie ist, dass die Amyloid-Belastung und der Verlauf der Erkrankung berücksichtigt wurden.

Hintergrund

Die Suche nach wirksamen Medikamenten für Alzheimer-Kranke und Fortschritte in der Biomarker-Forschung haben in den vergangenen Jahren eine Fülle von Daten geliefert. Aber bislang gibt es weder eine medikamentöse Therapie, die mehr kann als Symptome zu lindern. Noch ist vollkommen geklärt, was genau denn die Alzheimer-Erkrankung ist. Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich nicht um eine Krankheitsentität, sondern um eine heterogene Erkrankung mit unterschiedlichen Subgruppen und genetischen Risikofaktoren sowie Biomarker-Profilen. Eine weitere genaue Charakterisierung dieser Subgruppen ist eine zentrale Voraussetzung für die Entwicklung gezielter Therapien. 

Design

An der Studie nahmen 3451 Beta-Amyloid-positive  Personen (PET- oder Liquor-Diagnostik) teil, 853 mit Alzheimer-Demenz, 1810 mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (LKB) und 788 kognitive Gesunde. Die Prävalenz des genetischen Risikofaktors Apolipoprotein E (APOE) ε4 wurde berechnet, wobei Alter, Geschlecht, geografische Herkunft und Bildungsgrad berücksichtigt wurden.

Hauptergebnisse

Die Prävalenz des Risikofaktors war mit 66 Prozent bei den Patienten mit Alzheimer-Demenz am größten, bei den Patienten mit LKB betrug sie 64 Prozent, bei den kognitiv Gesunden 51 Prozent. Die Häufigkeit nahm bei den LKB-Patienten und bei den kognitiv Gesunden mit dem Alter ab; bei Demenz-Kranken war dies nicht der Fall. Die höchste Prävalenz wurde für Nordeuropa ermittelt, die niedrigste für Südeuropa. 

Klinische Bedeutung

Die Studie hat zwar keine Relevanz für die aktuelle klinische Arbeit. Ihre Bedeutung besteht im Wesentlichen darin, dass die Ergebnisse bei der Auswahl von Probanden für klinische Studien, etwa zur Erprobung von neuen Antidementiva, wichtig sein könnten. Zudem könnten diese Ergebnisse in Kombination mit weiteren Befunden zu anderen genetischen  Risikofaktoren es ermöglichen, genetische Risikoprofile zu erstellen. Und dies könnte ein wichtiger Schritt hin zu einer personalisierten Medizin bei Alzheimer-Kranken sein. 

Finanzierung: Öffentliche Mittel (etwa National Institutes of Health) und Forschungs-Stipendien für beteiligte Wissenschaftler