Häufiger neurodegenerative Erkrankungen bei Profi-Fußball-Spielern

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ähnlich wie American Football ist auch Fußball-Spielen, professionell betrieben, möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen verbunden. Dies bedeutet aber nicht, dass dieser Sport insbesondere für Kinder und Jugendliche ungeeignet sei. Denn wie andere Sportarten kann Fußball-Spielen vor kardiovaskulären Erkrankungen schützen.

Hintergrund

Bei Sportlern, die Kontakt-Sportarten betreiben oder betrieben haben, insbesondere Boxen und American Football, sind vermehrt neurodegenerative Erkrankungen diagnostiziert worden, so vor allem die so genannte chronisch-traumatische Enzephalopathie. Auch zu Fussball-Spieler liegen einige Studien - etwa kernspintomografische - vor, aus denen allerdings nicht klar abzuleiten ist, dass auch diese Sportart mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Schäden einhergeht. 

Design 

Retrospektive Kohortenstudie zu den Todesursachen bei Fußball-Spielern. Verglichen wurden 7676 ehemalige schottische Profi-Fußball-Spieler mit 23.028 Personen aus der Allgemeinbevölkerung, die die Kontroll-Gruppe bildeten. Die Todesursachen wurden den Totenscheinen entnommen.

Hauptergebnisse

  • Die Gesamt-Mortalität war bei den Sportlern geringer als in der Allgemeinbevölkerung. Während der 18-jährigen Beobachtungszeit starben 15,4 Prozent (n=1180) der ehemaligen Fußball-Spieler; in der Kontroll-Gruppe waren es 16,5 Prozent (n=3807). 
  • Die Mortalität durch ischämische Herzkrankheiten war in der Kohorte der Sportler um 20 Prozent geringer als in der Kontroll-Gruppe (Hazard Ratio 0,80; 95% CI 0,66-0,97; p=0,02). Dies galt auch für die Mortalität infolge von Bronchial-Karzinomen (HR 0,53; 95% CI 0,40 - 0,70; p
  • Bei 1,7 Prozent der Fußball-Spieler wurde eine neurodegenerative Erkrankung als Haupttodesursache angenommen; in der Kontroll-Gruppe betrug dieser Anteil nur 0,5 Prozent. Als adjustierte HR (in Relation zu Tod durch kardiale Ischämie und Malignome) ergab sich ein Wert von 3,45 (2,11 - 5,62; p
  • Die am häufigsten dokumentierte neurodegenerative Erkrankung mit Todesfolge war der Morbus Alzheimer. Die Berechnungen der HR (Fußballer versus Allgemeinbevölkerung) ergaben hier einen Wert von 5,07 (2,92 - 8,82; p
  • Ehemalige Fußball-Spieler hatten signifikant häufiger Antidementiva erhalten (Odds Ratio 4,90; 95% CI 3,81 -  6,31; p

Klinische Bedeutung

Die retrospektive Studie bestätigt Untersuchungsbefunde bei professionellen American-Football-Spielern. Mehrere Studien in den USA haben bei diesen Athleten psychische Störungen - zum Beispiel Depressionen - festgestellt und auch - post mortem - morphologische Schäden im Sinne einer Neurodegeneration. Die vorliegende retrospektive Studie liefert allerdings keine Beweise dafür, dass Fußball-Spielen tatsächlich zu chronischen Hirnschäden führen, etwa durch häufige Kopf-Ball- und Kopf-Kopf-Kontakte. Die Ergebnisse können, wie die Autoren selbst betonen, auch nicht generalisiert werden. Zum einen handelt es sich bei der Studien-Population um ehemalige professionelle Sportler, zum anderen sind Todes-Bescheinigungen hinsichtlich der Ursachen nur eingeschränkt zuverlässig. Die Ergebnisse seien, so die Autoren, kein Grund dafür, etwa Kinder und Jugendliche - oder auch ältere Freizeitkicker - vom Fußball-Spielen abzuhalten, zumal diese körperliche Aktivität ja auch positive gesundheitliche Wirkungen habe. 

Finanzierung: Football Association und Professional Footballers’ Association.