Guanylatcyclase-Stimulator bei chronischer Herzinsuffizienz: erfolgreich in Phase 3

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der Guanylatcyclase-Stimulator Vericiguat hat in einer Phase-3-Studie bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion zusätzlich zu Standardtherapie besser abgeschnitten, als Placebo plus Standardtherapie. 

Hintergrund

Für Patienten mit chronischer systolischer Herzinsuffizienz gibt es zwar schon mehrere wirksame pharmakologische Therapien, aber dennoch gibt es noch Bedarf an Wirkstoffen, mit denen die Prognose der Patienten weiter zu verbessern ist. Ein solcher Wirkstoff, der das möglicherweise kann, ist Vericiguat, ein oral einzunehmender Stimulator der löslichen Guanylatcyclase. Dieses Enzym ist Teil des Stickstoffmonoxid (NO)-Signalwegs. In Situationen, in denen zu wenig NO vorhanden ist, wie etwa bei einer chronischen Herzinsuffizienz, wird die Guanylatcyclase nicht ausreichend stimuliert, was mit einer Progredienz der Myokardschwäche einhergeht. Von einer pharmakologischen Stimulation des Enzyms wird daher ein positiver Effekt auf das Myokard erwartet. Einen Hinweis auf eine solchen positiven Effekt hatte bereits eine Phase-2b-Studie geliefert, in der der Spiegel des NT-proBNP nach Gaben von Vericiguat gesunken war. In den hier vorliegenden Studie VICTORIA (Vericiguat Global Study in Subjects with Heart Failure with Reduced Ejection Fraction) wurden Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. 

Design

Internationale kontrollierte und randomisierte Multicenter-Studie, an der 5050 Herzinsuffizienz-Patienten (NYHA II, III und IV) mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von unter 45 Prozent und kürzlicher Dekompensierung teilnahmen. Im Mittel betrug die Ejektionsfraktion zu Beginn der Studie 29 Prozent. Die Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren (drei Viertel von ihnen Männer) mussten darüber hinaus Zeichen einer progredienten Myokardschwäche aufweisen. Die Patienten erhielten zusätzlich zur Standardtherapie entweder Vericiguat (Zieldosis 10 mg einmal täglich) oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination von kardiovaskulärem Tod oder erstmaliger Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz. Die mediane Beobachtungszeit betrug 10,8 Monate.

Hauptergebnisse

  • Die primäre Endpunkt-Rate betrug in der Vericiguat-Gruppe 35,5 Prozent (897/2526), in der Placebo-Gruppe 38,5 Prozent (972/2524).  Dies entspricht einer absoluten Risikoreduktion um 3,0 Prozentpunkte und einer relativen um 10 Prozent (Hazard ratio: 0,90; 95% CI: 0,82 - 0,98; p = 0,02). Für die Einjahres-NNT (Zahl der Patienten, die ein Jahr lang behandelt werden müssten, um ein Endpunktereignis zu verhindern) ergaben die Berechnungen einen Wert von 24.
  • Die Hospitalisations-Rate betrug in der Vericiguat-Gruppe 27,4 Prozent und in der Placebo-Gruppe 29,6 Prozent (Hazard ratio: 0,90; 95% CI: 0,81 -1,00).
  • Bei der kardiovaskulären Mortalitätsrate betrug der absolute Unterschied zu Gunsten der Verum-Therapie 1,1 Prozentpunkte (16,4 versus 17,5 Prozent), was einer nicht-signifikanten relativen Risikoreduktion um sieben Prozent entspricht (HR: 0,93, CI: 0,81 - 1,06). Auch beim sekundären Einzelparameter Gesamtmortalität gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied (20,3 versus 21,2 Prozent).
  • Ernsthafte Nebenwirkungen traten bei 32,8 Prozent der Patienten in der Verum-Gruppe auf; in der Kontroll-Gruppe betrug der Anteil 34,8 Prozent.
  • Eine symptomatische Hypotonie entwickelten in der Verum-Gruppe 9,1 Prozent, in der Placebo-Gruppe 7,9 Prozent (p = 0,12). Synkopen erlitten 4,0 Prozent der Patienten mit dem Guanylatcyclase-Stimulator und 3,5 Prozent mit dem Scheinpräparat (p = 0,30).

Klinische Bedeutung

Mit Vericiguat könnten die therapeutischen Optionen für Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz erweitert werden. Klinisch relevant könnte dabei außer der Wirksamkeit auch die Therapieadhärenz sein. Den Autoren zufolge betrug sie bei der Zieldosis von 10 mg nach 12 Monaten noch fast 90 Prozent.

Finanzierung: Bayer und MSD.