Grüne fordern zentrale Anlaufstellen in der Notfallversorgung

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Berlin (pag) – Die Grünen im Bundestag plädieren für die Einrichtung von zentralen Anlaufstellen in der Notfallversorgung von Kliniken, um Patienten besser strukturiert auf den ambulanten oder stationären Sektor zu verteilen. Heute seien rund 40 Prozent der Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle, sondern könnten gut ambulant behandelt werden, so Dr. Kirsten Kappert-Gonther bei einem Fachgespräch der Fraktion.

Immer öfter seien Notaufnahmen überlaufen, weil Patienten kommen, die keine wirklichen Notfälle sind, so Kappert-Gonther. Von den Versicherten könne nicht erwartet werden, dass sie die geeignete Versorgungsform wählen. Die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vorgehaltenen Notfalldienste seien nicht hoch frequentiert. Auch die Verbindung der verschiedenen Strukturen und Dienste sei nicht so beschaffen, dass Versicherte die Versorgung bekommen, die sie brauchen. Es gebe regional verschieden eine Über- sowie Unterversorgung. Die sektorenübergreifende Versorgung sei der richtige Lösungsansatz, werde aber durch Machtinteressen verhindert. „Wir müssen die Notfallversorgung prioritär angehen, um eine bessere Versorgung zu erreichen“, so Kappert-Gonther. Dies diene als Blaupause für eine sektorenübergreifende Versorgung.

„Die Patienten kommen in die Notaufnahme wie und wann sie wollen. Overcrowding findet tagtäglich statt“, sagt Dr. Frank Wösten vom Klinikum Bremen-Nord. Es gebe nur wenige Simulanten, auch wenn viele Patienten keine dringlichen Fälle seien. Die geplante Reduktion von Krankenhausbetten gefährde die Patientensicherheit. „Die Patientenzahlen in den Notaufnahmen nehmen konstant zu“, sagt Prof. Martin Scherer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Viele Versicherte kannten den ärztlichen Bereitschaftsdienst nicht. Ein Großteil hätte Beschwerden, die länger als einen Tag andauern, oder meinten, in der Klinik würden sie besser fachärztlich versorgt. Für viele Patienten gebe es damit keinen Grund, in die Notaufnahme zu gehen. „Wir müssen das Gesundheitssystem erklärt bekommen“, so Scherer. Tobias Herrmann vom aQua Institut zufolge lösen Notdienstpraxen an Krankenhäusern das Problem nicht. Sie lägen auf dem Campus des Krankenhauses oft versteckt, die Behandlung sei nicht optimal, ebenso gebe es keine einheitlichen Öffnungszeiten. Sein Vorschlag sind bundesweit einheitliche Portalpraxen als zentraler Anlaufpunkt bei Kliniken sowie eine gemeinsame Leitstelle für Rettungsdienste, Krankenhaus und KVen.