Großzellige B-Zell-Lymphome: Hohe Ansprechraten nach CAR-T-Zell-Therapie mit Liso-cel

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Mit Lisocabtagen maraleucel (Liso-cel) wurde eine noch in der Entwicklung befindliche Variante der CAR-T-Zell-Therapie 269 Patienten mit unterschiedlichen rezidivierten/refraktären großzelligen B-Zell-Lymphomen verabreicht. Mehr als die Hälfte sprachen vollständig auf die Behandlung an, wobei die Nebenwirkungen als vergleichsweise gering eingeschätzt wurden.

Hintergrund

Unter den relapsierten oder refraktorischen Patienten mit einem großzelligen B-Zell-Lymphom sprechen nach einer Standard-Zweitlinientherapie weniger als die Hälfte auf nachfolgende Behandlungen an, und Heilungen sind selten. Hier wurde die Aktivität und Sicherheit einer CAR-T-Zell-Therapie mit Lisocabtagen Maraleucel (Liso-cel) geprüft. Es handelt sich dabei um eine definierte Mischung autologer CD4+ und CD8+ T-Lymphozyten mit potenziell immunstimulierenden und antineoplastischen Eigenschaften, die ex vivo mit einem Lentivirus-Vektor transduziert wurden, sodass sie einen hochkomplexen chimären Antigen-Rezeptor (CAR) bilden.

Design

In der Studie TRANSCEND wurden mehrere Kohorten von insgesamt 344 Patienten ab 18 Jahren mit unterschiedlichen, großzelligen, B-Zell-Lymphomen und median 3 Vorbehandlungen an 14 US-Zentren sequentiell mit einer von 3 ansteigenden Zieldosen Liso-cel behandelt. 269 von ihnen erhielten nach erfolgreicher Leukapherese mindestens eine Dosis Liso-cel.

Ergebnisse

  • Die mediane Nachverfolgungszeit für alle 344 Patienten betrug 18,8 Monate.
  • Bei der Sicherheit und Aktivität der 3 getesteten Dosierungen von 50 x 106, 100 x 106 und 150 x 106 Zellen gab es keine Unterschiede. Als Zieldosis werden 100 x 106 Zellen empfohlen, davon jeweils die Hälfte CD4+ und CD8+.
  • Die Wirksamkeit konnte bei 256 Patienten evaluiert werden, darunter erzielten 186 (73 %, 95%-Konfidenzintervall 66,8 – 78,0) ein objektives Ansprechen und 136 (53 %, 95%-KI 46,8 – 59,4) ein vollständiges Ansprechen.
  • Die häufigsten Nebenwirkungen von Grad 3 oder höher waren Neutropenien (60 %), Anämien (37 %) und Thrombozytopenien (27 %).
  • Einen Zytokinsturm erlitten 42 % und neurologische Ereignisse 30 % der Patienten, mit Schweregrad 3 oder höher waren es 2 bzw. 10 %.
  • Bei 9 (6 %) Patienten war die Dosis durch die Toxizität limitiert, einer starb an „diffusen alveolaren Schäden“ nach einer Dosis von 50 x 106 Zellen.

Klinische Bedeutung

In dieser, naturgemäß nicht verblindeten, Studie zur CAR-T-Zell-Therapie wurde eine hohe Ansprechrate bei unterschiedlichen Subtypen großzelliger B-Zell-Lymphome erzielt. Die Inzidenz gefürchteter Nebenwirkungen, insbesondere des Zytokinsturms und der neurologischen Ereignisse wird von den Autoren als niedrig eingeschätzt. Die Ergebnisse könnten zur weiteren Verbreitung der CAR-T-Zell-Therapie beitragen, allerdings fehlen noch Langzeitdaten, um den Stellenwert dieser Variante zuverlässig einordnen zu können. Unterdessen wird das Präparat Liso-cel bereits bei Patienten mit einem ersten Rückfall und mit anderen B-Zell-Malignomen getestet.

Finanzierung: Juno Therapeutics (Bristol-Myers Squibb Company).