Großflächige Verbreitung von Nicht-Polio-Enteroviren in Europa

  • The Lancet Infectious Diseases

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Europäische Wissenschaftler haben in einer retrospektiven Überwachungsstudie die Verbreitung von Nicht-Polio-Enteroviren in 24 Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) untersucht. Die Studie zeigt die großflächige Verbreitung von Nicht-Polio-Enteroviren in Europa, die hauptsächlich kleine Kinder betreffen und zu neurologischen Symptomen führen können. Die Forschenden fordern, Datensammlungen zu Morbidität und Mortalität von Enterovirus-Infektionen sowie die Überwachungsmechanismen im europäischen Raum zu harmonisieren.

Hintergrund

Enteroviren können schwere Infektionen verursachen, insbesondere bei kleinen Kindern. Nicht-Polio-Enteroviren-Infektionen sind in den meisten europäischen Ländern nicht meldepflichtig, und die Überwachung variiert erheblich zwischen den Ländern.

Ein europäischer Forschungsverbund hat nun die verfügbaren Enterovirus-Daten in EU- und EWR-Ländern gesammelt und analysiert, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Dezember 2017 über nationale Enterovirus-Referenzlaboratorien entdeckt wurden, um die aktuelle epidemiologische Situation und die Notwendigkeit einer harmonisierten Überwachung zu bewerten.

Neue Enteroviren-St ä mme im Umlauf

Enterovirus-Daten konnten von 24 (77 %) der 31 europäischen Länder bereitgestellt werden. Insgesamt traten 9.914 (66 %) der insgesamt 14.999 Enterovirus-Infektionen bei Kindern unter 5 Jahren auf.

Dabei wurden bei 3.197 (45 %) von 7.139 infizierten Personen neurologische Symptome gemeldet.

Weitere Symptome waren:

  • unspezifisches Fieber bei 1.607 (23 %) Patienten,
  • respiratorische Symptome bei 1.197 (17 %) Patienten,
  • Hand-, Fuß- und Munderkrankungen bei 528 (7 %) Patienten
  • Myokarditis bei 39 (1 %) Patienten.

68 Todesfälle waren zeitlich mit einer Enterovirus-Infektion verbunden.

Die Typisierung für 11.559 (67 %) von 17.136 Proben ergab 66 zirkulierende Enterovirus-Typen. Der Coxsackie-Virus A6 war mit 13 % der am häufigsten nachgewiesene Enterovirus-Typ. Der zweithäufigste Virus-Typ war der Echovirus 30 mit 1.412 (12 %) von 11.559 typisierten Enteroviren. Interessanterweise konnte die Zirkulation neu auftretender Stämme von Enterovirus A71 und Enterovirus D68 nachgewiesen werden.

Die Forschenden sehen eine großflächige Verbreitung von Nicht-Polio-Enterovirus-Infektionen im europäischen Raum, die harmonisierter Überwachungsmechanismen bedarf.

Finanzierung: keine Angaben