Gonorrhoe: ECDC warnt vor hohen Resistenzraten gegen Azithromycin


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Behandlung der Gonorrhoe, die lange Jahre mit Standardantibiotika problemlos möglich war, gestaltet sich zunehmend schwierig. Grund dafür sind weiterhin hohe Resistenzraten gegen Azithromycin. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse des Global European Gonococcal Antimicrobial Surveillance Programme (Euro-GASP) des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC).

Hintergrund

Gonorrhoe ist mit fast 500 000 gemeldeten Fällen zwischen 2007 und 2016 die zweithäufigste sexuell übertragbare Infektion in den EU/EWR-Ländern. Die Behandlung erfolgt heute nach einer Empfehlung der WHO parenteral mit Ceftriaxon in Kombination mit Azithromycin. Eine erfolgreiche Gonorrhoebehandlung reduziert das Risiko von Komplikationen wie Beckenentzündungen, ektopischen Schwangerschaften, Unfruchtbarkeit oder erhöhte HIV-Infektionsgefahr.

Ergebnisse

Die Auswertung von 3.248 Gonokokken-Isolaten aus 27 EU/EEA-Ländern zeigte, dass 2017 die Resistenzen gegen Cefixim, Ceftriaxon und Azithromycin gegenüber 2016 stabil geblieben sind. Während im zweiten Jahr hintereinander keine Resistenzen gegen Ceftriaxon auftraten, betrugen sie bei Azithromycin weiterhin 7,5 Prozent und bei Cefixim 1,9 (2016) bzw. 2,1 % (2017). Allerdings meldeten laut ECDC mehr Länder resistente Isolate.

Klinische Bedeutung

"Die anhaltende Resistenz gegen Azithromycin in ganz Europa ist uns ein großes Anliegen, da sie die empfohlene duale Therapie mit Ceftriaxon und Azithromycin beeinträchtigt", erklärt der ECDC-Experte Gianfranco Spiteri. Bislang gebe es keinen verfügbaren Impfstoff, und die Fähigkeit zur Überwachung von Resistenzen sei in einigen Regionen unzureichend. „Wenn die gängigen Antibiotika aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirken, haben wir nur noch sehr begrenzte Alternativen, um Gonorrhoe erfolgreich zu behandeln," resümiert Spiteri.

Das ECDC wird nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr einen überarbeiteten regionalen Reaktionsplan zur Bekämpfung multiresistenter Gonorrhoe-Erreger veröffentlichen.