Gonorrhö: Neue Meldepflicht für Antibiotika-Resistenzen

  • Epidemiologisches Bulletin

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Seit dem ersten März 2020 müssen in Deutschland Labore melden, wenn die Antibiotika Azithromycin, Cefixim oder Ceftriaxon keine oder eine verminderte Wirkung gegen Neisseria gonorrhoeae haben. Dabei ist bereits die verminderte Empfindlichkeit gegen nur eines der drei angegebenen Antibiotika ausreichend, heißt es im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 10/2020 des Robert Koch-Instituts (RKI).

Zunehmend Resistenzen gegen Azithromycin, Cefixim und Ceftriaxon

Die Gonorrhö nimmt weltweit nicht nur zu, sondern wird auf Grund von Antibiotika-Resistenzen zunehmend auch schwerer zu behandeln. In den aktuellen Leitlinien werden derzeit die Antibiotika Azithromycin, Cefixim und Ceftriaxon empfohlen. Das Auftreten von Resistenzen könnte demnächst allerdings auch diese Option verhindern. So lag die Prävalenz gegenüber Cefixim bzw. Azithromycin resistenter N.-gonorrhoeae-Isolate im Jahr 2017 EU-weit bei 1,9 Prozent bzw. 7,5 Prozent. Zudem traten in den letzten Jahren bereits vereinzelt Isolate auf, welche gegen das Erstlinientherapeutikum Ceftriaxon resistent waren, berichtet das RKI im aktuellen Bulletin.

Vorgehen für Labore

Grundsätzlich soll laut RKI zur Einschätzung der Empfindlichkeit die aktuell gültige Grenzwerttabelle des European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing (EUCAST) zu Grunde gelegt werden. Danach gilt der Erreger als vermindert empfindlich, wenn er „resistent“ (R), „sensibel bei erhöhter Exposition“ (I) oder „empfindlich“ (S) im Grenzbereich zu R getestet wurde. Bei Antibiotika, für die von EUCAST keine klinischen Grenzwerte angegeben sind - wie dies bei Azithromycin der Fall ist - kann ein epidemiologischer Grenzwert (ECOFF) als Referenz herangezogen werden.

Vorgehen für Ärzte

Neben der Meldepflicht für Labore sind von nun an auch die behandelnden Ärzte zur Ergänzung weiterer Angaben verpflichtet. Dazu gehören Auskünfte über den wahrscheinlichen Zeitpunkt der Infektion sowie deren klinischen Verlauf, Angaben zur Abstrichregion der untersuchten Probe (z. B. Urethral), zur antibiotischen Behandlung des Patienten sowie Angaben zu Antibiotikatherapien in den letzten sechs Monaten.

Außerdem umfasst die neue Meldepflicht Informationen zu aktuell bestehenden und zu zurückliegenden Infektionen mit sexuell übertragbaren Erregern in den letzten 12 Monaten. Besonders Angaben zu bakteriellen Ko-Infektionen sind laut RKI für die Einschätzung von Resistenzentwicklungen des Erregers von Bedeutung. Der behandelnde Arzt ist darüber hinaus verpflichtet zu melden, auf welchem Weg und über welche Kontakte sich die untersuchte Person vermutlich angesteckt hat. Dazu zählen beispielsweise heterosexuelle Kontakte, sexuelle Kontakte zwischen Männern (MSM) oder Mutter-zu-Kind Infektionen.