Gonarthrose: Kognitive Verhaltenstherapie gegen NSAIDs

  • JAMA Internal Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Absetzen von NSAIDs bei Patienten mit einer Gonarthrose und der Ersatz durch eine kognitive Verhaltenstherapie scheint möglich, ist aber mit kleinen Abstrichen beim Schmerzempfinden verbunden.

Hintergrund

Bei Knieschmerzen infolge einer Osteoarthrose werden häufig nichtsteroidale antiinflammatorische Medikamente (NSAIDs) verschrieben. Deren langfristiger klinischer Nutzen sei jedoch unsicher, und es bestünden signifikante toxische Nebenwirkungen, begründen die Autoren ihre Entzugsstudie zum Nutzen einer kognitiven Verhaltenstherapie (CBT).

Design

In die multizentrische, randomisierte Studie „Stopping NSAIDS for Arthritis Pain“ wurden 364 Patienten im durchschnitlichen Alter von 58,2 Jahren einbezogen, die wegen einer Gonarthrose unter Schmerzen litten und deshalb über mindestens 3 Monate an den meisten Tagen der Woche NSAIDS einnahmen. Diese wurden abgesetzt und in einer 2-wöchigen Übergangsphase durch das NSAID Meloxicam ersetzt. In der anschließenden ersten verblindeten Phase der Studie wurden die Patienten randomisiert auf weitere 4 Wochen Meloxicam oder Placebo. Dann folgte die zweite Phase, bei der Meloxicam-Empfänger ihr Medikament weitere 10 Wochen erhielten, während die Placebo-Empfänger an einer 10-wöchigen CBT teilnahmen.

Ergebnisse

  • Beim primären Studienziel, der 20 Punkte umfassenden Skala für Schmerzen gemäß dem McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC) betrug die mittlere Differenz zwischen Placebo und Meloxicam nach 4 Wochen 1,4 Punkte, was bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,8 bis 2,0 die Unterlegenheit des Scheinmedikamentes bedeutete (P im Nichtunterlegenheitstest = 0,92).
  • Nach 14 Wochen war die Gruppe mit Placebo gefolgt von CBT um 0,8 Punkte schlechter als jene mit Meloxicam (95%-KI 0,2 – 1,4; Nichtunterlegenheit P = 0,28).
  • Beim klinischen Gesamteindruck war die Differenz zwischen den beiden Gruppen mit - 0,2 Punkten statistisch nicht signifikant (P = 0,15), ebenso wenig das Ausmaß der Behinderung in der unteren Extremität (0,9 Punkte; P = 0,45).

Klinische Bedeutung

Nur knapp wurde in dieser Studie der Nachweis verfehlt, dass eine CBT bei gleichguter Schmerzlinderung in dieser Indikation ein NSAID ersetzen könnte. Die Autoren betonen, dass der Unterschied klein war und es bei den sekundären Studienzielen nach 14 Wochen keinen Unterschied gab – ein Befund, der in die gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patienten einbezogen werden sollte.

Finanzierung: Veterans Affairs Health Services Research and Development Service.