GLP-1-Agonist nach metabolischer Op eine Option zur begleitenden Therapie

  • Lancet Diabetes & Endocrinology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten, die nach einer metabolischen (bariatrischen) Operation weiterhin an einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind, können von einer Therapie mit dem GLP-1-Analogon Liraglutid profitieren. 

Hintergrund

Nicht bei allen Patienten mit Typ-2-Diabetes, bei den eine metabolische Operation vorgenommen wird, normalisiert sich der diabetische Stoffwechsel. Liraglutid, ein GLP-1-Analogon, ist ein wirksames Antidiabetikum, das außerdem (in Abhängigkeit von der Dosis) das Gewicht von Diabetes-Kranken reduzieren kann. In der aktuellen Studie wurde daher geprüft, ob das GLP-1-Analogon eine Option für Patienten mit unzureichender oder fehlender Stoffwechsel-Normalisierung nach metabolischer Operation sein könnte. 

Design

Randomisierte und placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie (Akronym GRAVITAS), an der insgesamt 80 mindestens 18 Jahre Typ-2-Diabetes-Patienten von fünf britischen Kliniken mit Roux-en-Y-Bypass oder Schlauchmagen teilnahmen, bei denen mindestens ein Jahr nach der Operation der HbA1c-Wert über 6,5 Prozent lag. Rund drei Viertel der Patienten bekam Metformin, ein geringerer Teil Sulfonylharnstoff-Präparate, Gliflozine oder Insuline. Patienten mit DPP4-Hemmern waren wegen möglicher Interaktionen mit Liraglutid ausgeschlossen. Alle Patienten erhielten eine Kalorien-reduzierte Kost und steigerten ihre körperliche Aktivität. 53 Studienteilnehmer erhielten täglich 1,8 mg Liraglutid subkutan (oder die maximal tolerierte Dosis), 27 bekamen Placebo. Die Dauer der Studie betrug 26 Wochen. 71 Teilnehmer beendeten die Studie.

Hauptergebnisse

  • Die Berechnungen ergaben, dass die Liraglutid-Therapie im Vergleich zu Placebo mit einer geringen Reduktion des HbA1c-Wertes um 1,22 Prozentpunkte einherging (minus 13,3 mmol/mol; 95% CI −19,7 bis −7,0; p = 0,0001). 
  • Die Art der metabolischen Operation spielte dabei keine Rolle
  • Beim Gewicht schnitt die Liraglutid-Gruppe mit einer Differenz von 4,23 kg ebenfalls besser ab als die Placebo-Gruppe (95% CI –6,81 bis –1,64, p=0,0017). 
  • Die Art der metabolischen Operation spielte auch hier keine Rolle.
  • 45 Prozent der Liraglutid-Patienten berichteten über Nebenwirkungen (erwartungsgemäß überwiegend gastrointestinale), in der Placebo-Gruppe waren es 41 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Studie lässt schlussfolgern, dass Typ-2-Diabetiker nach einer metabolischen Operation von einer Liraglutid-Therapie zusätzlich zu einer Diät und psychologischen Unterstützung profitieren können. Die Studie stützt nach Angaben der Autoren die Forderung nach einer umfassenden und multimodalen Versorgung von Patienten nach solchen Eingriffen. Zu beachten ist, dass die Dauer der Studie mit 26 Wochen recht kurz war und die Zahl der Teilnehmer gering. Unklar ist, ob mit einer höheren Dosierung des GLP-1-Agonisten (3,0 mg/die) mehr erreicht worden wäre.

Finanzierung: JP Moulton Foundation in Großbritannien.