Gliflozine vielleicht wirklich eine Option für Herzinsuffiziente ohne Diabetes

  • American Heart Association Annual Scientific Sessions

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin schützt einer Subanalyse zufolge möglicherweise herzinsuffiziente Patienten ohne Diabetes mellitus ebenso vor kardiovaskulären Komplikationen wie Herzinsuffiziente mit Diabetes.

Hintergrund

Da SGLT-2-Hemmer Diabetes-Patienten offenbar vor der Entwicklung einer systolischen Herzinsuffizienz schützen können, wie unter anderen Daten einer Beobachtungs-Studie  mit über 300 000 Patienten aus sechs Ländern (USA, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien) haben vermuten lassen, hat der Gedanke nahegelegen, dass SGLT-2-Hemmer wie Dapagliflozin auch eine Option für herzinsuffiziente Patienten sein könnten, die nicht an Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Beim diesjährigen Kongress der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft in Paris wurden Daten dazu aus der vom Hersteller (AstraZeneca) finanzierten Studie DAPA-HF mit Dapagliflozin vorgestellt, die diese Annahme stützten. An dieser Studie nahmen herzinsuffiziente Patienten mit und ohne Diabetes mellitus teil. Hauptergebnis war, dass das Gliflozin Herzinsuffiziente vor kardiovaskulären Komplikationen schützen kann. Nun sind die Ergebnisse einer vergleichenden Subanalyse der Herzinsuffizienz-Patienten mit und ohne Diabetes präsentiert worden.

Design

An der Studie nahmen rund 4800 Patienten (Durchschnittsalter 66 Jahre, Frauenanteil 24 Prozent) mit einer systolischen Herzinsuffizienz teil. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatte keinen Typ-2-Diabetes (Anteil der Typ-2-Diabetiker 45 Prozent). Über 90 Prozent der Patienten erhielten ein Diuretikum, 94 Prozent einen ACE-Hemmer oder ein Sartan, 96 Prozent einen Betablocker, fast drei Viertel einen Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten und elf Prozent Sacubitril/Valsartan.

2373 Patienten erhielten zusätzlich zu dieser Medikation täglich zehn Milligramm Dapagliflozin, 2371 Teilnehmer bekamen stattdessen ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Kombination aus kardiovaskulärem Tod, Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz oder Herzinsuffizienz-bedingte Notfall-Abklärung. Die Beobachtungsdauer betrug 18 Monate. 

Hauptergebnisse

1. Hier die Ergebnisse (Hazard Ratio) beim primären kombinierten Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, herzinsuffizienz-bedingte Hospitalisierung und Notfall-Abklärung wegen Herzinsuffizenz):

  • Herzinsuffiziente Diabetiker (n=2139): 0,75 (0,63-0,90)
  • Herzinsuffiziente ohne Diabetes (2605): 0,73 (0,60-0,88)

2. Hier Ergebnisse zu zwei sekundären Endpunkten:

a.Kardiovaskulärer Tod

  • Herzinsuffiziente Diabetiker: 0,79 (0,63-1,01)
  • Herzinsuffiziente ohne Diabetes: 0,85 (0,66-1,10)

b.Gesamt-Mortalität

  • Herzinsuffiziente Diabetiker: 0,78 (0,63-0,97)
  • Herzinsuffiziente ohne Diabetes: 0,88 (0,70-1,12)

Klinische Bedeutung

Die Daten stützen die Hypothese, dass SGLT-2-Hemmer die Prognose auch von Herzinsuffizienz-Patienten ohne Diabetes verbessern können. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass es sich um eine Subanalyse handelt, sie wurde zwar vor der Studie festgelegt; aber dennoch gilt die Aussagekraft von Subanalysen als eingeschränkt. Weitere Studien, auch mit anderen SGLT-2-Hemmern, sind daher sinnvoll. Zu beachten ist außerdem, dass Gliflozine nur für Diabetes-Kranke zugelassen sind; ob die bislang vorliegenden Daten für eine Zulassungserweiterung genügen, wird sich zeigen.

Finanzierung: AstraZeneca