Gliflozine -Reduktion des Risikos für Herzinsuffizienz und Nephropathie-Progression


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

SGLT-2-Hemmer sind kardiovaskulär sicher. Ihr Effekt auf das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse ist relativ gering und vermutlich auf die Patienten beschränkt, die bereits eine manifeste atherosklerotische Herzgefäß-Krankheit haben. Im Gegensatz dazu ist ihr Effekt auf das Risiko für Herzinsuffizienz und Progression einer Nephropathie recht deutlich - und zwar unabhängig von der Herzinsuffizienz-Anamnese und dem Vorhandensein einer atherosklerotischen Herzgefäß-Erkrankung.

Hintergrund

Neue Antidiabetika müssen heute mehr können, als nur den Blutzucker zu senken. Seit rund zehn Jahren fordern Zulassungsbehörden, dass die neuen Wirkstoffe kardiovaskulär sicher sind. Mehrere neue Antidiabetika haben diese Forderung bereits erfüllt. Zum Teil gibt es sogar Hinweise darauf, dass sie sogar das Risiko kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität senken. Zu den Wirkstoffen, für die es bereits publizierte kardiovaskuläre Outcome-Studien gibt, gehören Gliflozine (SGLT-2-Hemmer). US-Kardiologen haben nun die Daten der randomisierten und kontrollierten Studien mit kardiovaskulären Endpunkten ausgewertet.

Design

Metaanalyse von drei kardiovaskulären Outcome-Studien mit SGLT-2-Hemmern, an denen 34.322 Typ-2-Diabetes-Patienten teilnahmen, von denen rund 60 Prozent eine manifeste atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung hatten. Ausgewertet wurden die randomisierten und kontrollierten Studien EMPA-REG OUTCOME (Empagliflozin), CANVAS (Canagliflozin) und DECLARE-TIMI 58 (Dapagliflozin). 

Hauptergebnisse

  • Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse in der Gliflozin-Gruppe um elf Prozent (HR 0,89; 95% CI 0,83 - 0,96; p=0,0014). Dieser positive Effekt der SGLT-2-Hemmer wurde nur bei den Patienten mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung festgestellt (0,86; CI 0,80 – 0,93) und nicht bei den Diabetes-Patienten ohne etablierte Herzgefäß-Erkrankung (1,00; CI 0,87-1,16).
  • Reduktion des Risikos für einen kardiovaskulären Tod oder für herzinsuffiziente Hospitalisierung um 23 Prozent (0,77; CI 0,71 – 0,84]). Dieser Effekt war bei Diabetes-Patienten mit und ohne kardiovaskuläre Erkrankung gleich, ebenso bei Patienten mit positiver oder negativer Herzinsuffizienz-Anamnese.  
  • Reduktion des Risikos der Progression einer diabetischen Nephropathie um 45 Prozent (0,55; CI 0,48 – 0,64], p

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse zeigen, dass die SGLT-2-Hemmer kardiovaskulär sicher sind. Darüber hinaus zeigen die Studien, dass der Effekt der Gliflozine auf das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse relativ gering ist und vermutlich auf die Patienten beschränkt ist, die bereits eine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung haben. Im Gegensatz dazu haben die SGLT-2-Hemmer offenbar einen recht ausgeprägten Effekt auf das Risiko für Herzinsuffizienz und Progression einer Nephropathie - und zwar unabhängig von einer Herzinsuffizienz-Anamnese und dem Vorhandensein einer manifesten atherosklerotischen Herzgefäß-Erkrankung. Eine Therapie mit einem Gliflozin könnte demzufolge bei Diabetes-Patienten mit wie ohne einer positiven Herzinsuffizienz-Anamnese und einer manifesten Herzgefäß-Erkrankung erwogen werden. Dabei sind selbstverständlich die möglichen Komplikationen einer Gliflozin-Therapie zu berücksichtigen, etwa Genitalmykosen und die sehr seltenen diabetischen Ketoazidose. Ein erhöhtes Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten hat nur eine der Outcome-Studie ergeben. Für anfängliche Befürchtungen, SGLT-2-Hemmer könnten das Schlaganfall-Risiko erhöhen, hat die Metaanalyse keine Belege geliefert. 

Finanzierung: Forschungsförderung der beteiligten Autoren durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und mehrere Arzneimittelhersteller