Gliflozin senkt HbA1c in der „Real World“ ebenso wie in Phase-3-Studien

  • JAMA Netw Open

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin hat in einer so genannten „Real World-Studie“ den HbA1c-Wert ebenso gesenkt wie in der „experimentellen Welt“ randomisierter und kontrollierter Phase-3-Studien. Der Effekt auf den HbA1c-Wert war sogar bei den Diabetes-Patienten vorhanden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht  für die Teilnahme an Phase-3-Studien geeignet gewesen wären.

Hintergrund

Wenn sich ein neuer Wirkstoff in randomisierten und placebo-kontrollierten Phase-3-Studien als wirksam und sicher erwiesen hat, ist das noch kein ausreichender Beleg dafür, dass diese Substanz auch im Versorgungsalltag, in der so genannten „Real World“, einen therapeutischen Nutzen hat. Aus diesem Grund sind auch die Daten von Post-Marketing-Studien von Interesse. 

Der SGLT-2-Hemmer Empagliflozin etwa hat in der Phase-3-Studie mit kardiovaskulären Endpunkten (EMPAG-Reg-Outcome) gezeigt, dass er nicht allein den Blutzucker-Spiegel bzw. den HbA1c-Wert senkt, sondern auch vor kardiovaskulären Komplikationen schützen kann. Dänische Ärzte haben nun untersucht, ob das Antidiabetikum in der Versorgungsrealität hält, was es in randomisierten und kontrollierten Studie verspricht.

Design

Ausgewertet wurden die Daten von 7034 Diabetes-Patienten (medianes Alter 61,5 Jahre, knapp 64 Prozent Männer), die eine Empagliflozin-Therapie begonnen hatten (Zeitraum Januar 2014 bis Dezember 2018). Endpunkte waren die absolute Reduktion des HbA1c-Wertes innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der Gliflozin-Therapie und der Anteil der Studienteilnehmer, die nicht für die Teilnahme an den Zulassungsstudien für Gliflozin geeignet gewesen wären, etwa aufgrund von Komedikation und Begleiterkrankungen.

Hauptergebnisse 

  • Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer – 55,1 Prozent – wären nicht für die Teilnahme an der Zulassungsstudien des Gliflozins geeignet gewesen. Gründe z.B.: Therapie mit „konkurrierende“ Antidiabetika (27,8 Prozent) und Begleiterkrankungen (15,3 Prozent).
  • Der HbA1c-Wert sank ebenso wie in Phase-3-Studien innerhalb von sechs Monaten um im Mittel 0,91 Prozentpunkte (95% CI −0,94% bis −0,87%)
  • Bei jenen Diabetes-Patienten, die an Phase-3-Studien hätten teilnehmen können, sank der HbA1c-Wert um im Mittel 0,78 Prozentpunkte (95% CI −0,82% bis −0,74%), bei den nicht geeigneten Patienten um 1,01 Prozentpunkte (95% CI −1,07% bis −0,95%). 
  • Der mediane Basis-HbA1c-Wert war bei den für die Phase-3-Studien ungeeigneten Patienten etwas höher als bei den geeigneten (8,5 versus 8,2%).
  • Der Anteil der Patienten, die Metformin oder mindestens zwei andere Nicht-Insulin-Antidiabetika bekamen, verringerte sich nach Beginn der Empagliflozin-Therapie von 1266 auf 935, was darauf hinweist, dass einige Patienten das Gliflozin als Ersatztherapie erhielten, eine Vorgehensweise, die in den Phase-3-Studien nicht untersucht wurde. 

Klinische Bedeutung

Die Studie bestätigt die bekannte Tatsache, dass es zwischen der Versorgungsrealität und kontrollierten Interventionsstudien mit klar definierten Ein- und Ausschlusskriterien eine Kluft gibt; dies spricht für „Real-World-Studien“ als zusätzliche Erkenntnisquellen. Im Fall der aktuellen Empagliflozin-Daten ist nun die relevante Frage die, ob dem „Real-World“-Effekt des Gliflozins auf den Surrogatparameter HbA1c-Spiegel ein „Real-World-Effekt“ auf kardiovaskuläre Ereignisse entspricht. 

Finanzierung: indirekt durch öffentliche Mittel u.a.