Gliflozin bei großem Patienten-Spektrum kardio- und nephroprotektiv

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Der SGLT-2-Hemmer Canagliflozin schützt Typ-2-Diabetes-Patienten mit chronischer Nieren-Erkrankung vor kardialen und renalen Komplikationen. Dies trifft auf Patienten mit und ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung zu.

Hintergrund

Zu mehreren modernen Antidiabetika, etwa den Gliflozinen, liegen inzwischen Daten aus Outcome-Studien vor, die eine kardio- und nephroprotektive Wirkung der Substanzen zeigen. Auch zu dem SGLT-2-Hemmer Canagliflozin wurden vor wenigen Monaten solche Studiendaten bei einem Kongress (Weltkongress der Internationalen Gesellschaft für Nephrologie in Melbourne) veröffentlicht. Es handelte sich dabei um die Outcome-Studie CREDENCE. Diese placebo-kontrollierte Studie war nach medianen 2,62 Jahren vorzeitig beendet worden, da eine Zwischenauswertung eine um 30 Prozent geringere Rate beim primären kombinierten Endpunkt (Serum-Kreatinin-Verdopplung, Dialyse oder Transplantation, renal oder kardiovaskulär bedingter Tod) in der Canagliflozin-Gruppe gezeigt hatte. Die Studie und ihre vollständigen Daten sind nun auch auf dem US-Diabetologen-Kongress in San Francisco vorgestellt und diskutiert worden. Zudem ist sie im „New England Journal of Medicine“ zusammen mit einem Editorial publiziert worden. 

Design

Es handelt sich um eine placebo-kontrollierte Studie mit 4401 Teilnehmern zum Zeitpunkt des vorzeitigen Studienendes. Die Patienten hatten einen Typ-2-Diabetes und eine chronische Nierenerkrankung. Sie waren im Mittel 63 Jahre alt und seit 16 Jahren an Diabetes erkrankt. Alle Patienten hatten eine Albuminurie (Albumin-Creatinin-Ratio 300-5000 mg/g) und eine eGFR von 30-90 ml/min/1,73m²). Rund die Hälfte (n = 2181) der Patienten hatte zuvor keine kardiovaskuläre Erkrankung. 29 Prozent der Patienten hatten eine eGFR von 45 bis 59 (Stadium 3a, moderate CKD) und 31 Prozent eine eGFR von 30 bis 44 (3b, moderate CKD). Die übrigen 40 Prozent hatten eine eGFR von 60 - 90 (Stadium 2, leichte CKD). Außer der Standardtherapie erhielten sie entweder Canagliflozin (100 mg/täglich) oder Placebo. 

Hauptergebnisse

Primärer Studienendpunkt (eine Kombination von kardiovaskulären und renalen Ereignissen): Die Risikoreduktion durch das Gliflozin betrug 30 Prozent (HR 0,70; CI 0,59–0,82;  p = 0,00001).

Beim sekundären Endpunkt „schwere kardiovaskuläre Ereignisse“ (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) ergab die Berechnung eine relative Risikoreduktion von 20 Prozent (HR 0,80; CI 0,67–0,95, p = 0,01).

Beim sekundären Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz ergab die Berechnung eine Risikoreduktion von 31 Prozent (HR: 0,69; 0,57–0,83;  p

Beim kombinierten renalen Endpunkt aus Nierenerkrankung im Entstadium, Verdopplung des Serum-Kreatinins oder renal bedingter Tod betrug die Risikoreduktion 34 Prozent (HR: 0,66; 0,53–0,81; p

Bei den Amputations-  und Frakturraten gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Gliflozin-und der Placebo-Gruppe. Bezogen auf 1000 Patienten-Jahre gab es in der Gliflozin-Gruppe 12,3 Amputationen, in der Placebo-Gruppe 11,2 (HR 1,11; 0,79–1,56). Bei den Frakturen war der numerischen Unterschied noch geringer (11,8 versus 12,1 Ereignisse pro 1000 Patienten-Jahre, HR: 0,98). 

Klinische Bedeutung

Die Studiendaten zeigen - in Kombination mit den Ergebnissen anderer Gliflozin-Studien -, dass Gliflozine als Substanzklasse bei Typ-2-Diabetes-Kranken mehr können, als den Blutzucker zu senken. Als besonders positiv wird der nephroprotektive Effekt bewertet. Die Ergebnisse der CREDENCE-Studie seien ein „echter Durchbruch“, so vor wenigen Monaten zum Beispiel Professor Dr. Jan C. Galle von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Die Bedeutung der Studie könne nicht überschätzt werden, heißt es auch in einem Begleitkommentar im „New England Journal of Medicine“. Welchen Stellenwert Gliflozine in der Diabetes-Therapie haben sollten oder in Zukunft einnehmen werden, wird derzeit diskutiert. Besonders interessant ist zudem, ob Gliflozine auch bei Patienten ohne Diabetes mellitus nephroprotektiv sind. Geprüft wird dies in einer Studie mit Empagliflozin. 

Finanzierung: Janssen R&D