Gleiches Endokarditis-Risiko nach Aortenklappen-Ersatz via Katheter oder Op


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten, denen eine  neue Aortenklappe implantiert wird, sind Hochrisiko-Patienten für eine infektiöse Endokarditis, und zwar unabhängig davon, welche Implantations-Strategie gewählt wird. Denn beim Langzeit-Risiko für eine infektiöse Endokarditis gibt es zwischen einer katheter-basierten Aortenklappen-Implantation und einer herkömmlichen operativen Therapie keinen Unterschied. 

Hintergrund

Die katheter-gestützte Implantation einer Aortenklappe ist seit einigen Jahren eine bewährte Methode für Patienten mit hohem und auch mit mittlere Operations-Risiko. Aktuelle Studien-Daten lassen zudem schlussfolgern, dass die Katheter-Therapie auch für Patienten mit geringem Operations-Risiko eine gute Option werden könnte. Eine der wichtigsten Komplikationen der chirurgischen Klappen-Implantation (SAVR) ist die infektiöse Endokarditis. Patienten, die operativ eine neue Aortenklappe erhalten, sind nachweislich Hochrisiko-Patienten für eine solche Endokarditis. Zur Höhe des  Risikos bei Patienten mit katheter-basierter Klappen-Implantation (TAVR) liegen hingegen kaum Daten vor, zudem gibt es kaum Daten zum Langzeit-Verlauf. Allerdings ist aufgrund des meist hohen Alters und der häufigen Multimorbidität der Patienten eine relative hohe Endokarditis-Hate anzunehmen.

Design

Dänische Kohorten-Studie mit Patienten, denen zwischen 1. Januar 2008 und 31. 12. 2016 eine neue Aortenklappe implantiert wurde, und zwar entweder katheter-gestützt (n = 2632) oder chirurgisch (n = 3777). Die Patienten waren im Mittel 79 Jahre alt, rund 64 Prozent waren Frauen.

Hauptergebnisse

  • Während einer medianen Beobachtungszeit von 3,6 Jahren wurden 4,4 Prozent der Patienten nach TAVR (n = 115) und 4,9 Prozent der operierten Patienten (n = 186) mit einer infektiösen Endokarditis stationär aufgenommen.
  • Die Inzidenz-Raten einer infektiösen Endokarditis betrugen in der TAVR-Gruppe 1,6 pro 100 Personen-Jahre (95% CI: 1,4 - 1,9) und 1,2 in der SAVR-Gruppe (95% CI: 1,0 - 1,4)
  • Die Endokarditis trat nach TAVR deutlich früher auf: Die mediane Dauer zwischen Klappen-Eingriff und Hospitalisierung betrug in der TAVR-Gruppe 352 Tage, in der SAVR-Gruppe 625 Tage.
  • Für das kumulative Einjahres-Risiko ergaben die Berechnungen 2,3 Prozent in der TAVR-Gruppe (95% CI: 1,8% - 29%) und 1,8 Prozent in der SAVR-Gruppe (95% CI: 1,4% - 2,3%).
  • Die Werte für das kumulative Fünfjahres-Risiko betrugen  5,8 Prozent nach TAVR (95% CI: 4,7% - 7,0%) und 5,1% (95% CI: 4,4% - 6,0%) nach SAVR.
  • Eine Multivarianz-Analyse ergab keinen statistisch signifikanten Unterschied für das Endokarditis-Risiko zwischen den beiden Implantations-Verfahren (Hazard Ratio: 1,12; 95% CI: 0,84 - 1,49).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse bestätigen, dass eine infektiöse Endokarditis im Langzeit-Verlauf nach TAVR nicht ungewöhnlich ist. Die Studie stimmt darüber hinaus mit Resultaten randomisierter Studie überein, wonach es beim Endokarditis-Risiko zwischen TAVR und SAVR keinen signifikanten Unterschied gibt. Die Ergebnisse stützen die Angaben der Leitlinien, dass Patienten, denen eine neue Herzklappe implantiert wird, Hochrisiko-Patienten für eine Endokarditis sind, und zwar unabhängig von der Implantations-Methode. 

Finanzierung: keine Angaben