Gewichtsreduktion durch Serotonin-Agonisten: Daten zur kardiovaskulären Sicherheit veröffentlicht


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Lorcaserin, ein selektiver Serotonin-2c-Rezeptoragonist zur Gewichtsreduktion, hat bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko das Gewicht gesenkt, ohne dass es in der Beobachtungszeit zu einer im Vergleich zu Placebo höheren Rate an schweren kardiovaskulären Ereignissen gekommen ist.

Hintergrund

Arzneimittel zur Gewichtsreduktion haben keinen besonders guten Ruf. Zwar haben schon mehrere Präparate zur Verfügung gestanden, mit denen tatsächlich das Gewicht reduziert werden konnte. Das Hauptproblem sind jedoch immer wieder Nebenwirkungen gewesen - mit der Folge der Marktrücknahme. Von besonderer Relevanz ist bei diesen Wirkstoffen - ähnlich wie bei modernen Antidiabetika - die kardiovaskuläre Sicherheit. Der Grund ist klar: Die Patienten, bei denen solche Medikamente indiziert sein können, sind oft kardiovaskuläre Risikopatienten. Wie sicher Lorcaserin bei solchen Patienten ist, war die Fragestellung der nun publizierten Studie CAMELLIA–TIMI 61. Das Medikament ist in den USA seit 2012 auf dem Markt.

Design

An der randomisierten und kontrollierten Studie nahmen 12.000 übergewichtige oder adipöse Patienten mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung oder mehrerern kardiovaskulären Risikofaktoren teil. Sie erhielten täglich entweder Locaserin (2x10 mg) oder Placebo. Primärer Sicherheits-Endpunkt waren schwere kardiovaskuläre Ereignisse (kardiovaskulär bedingter Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall). Geprüft wurde zunächst auf Nicht-Unterlegenheit von Locaserin. Erwies sich das Prüfpräparat als nicht unterlegen, wurde am Ende der Studie auf Überlegenheit beim erweiterten kardiovaskulären Wirksamkeits-Endpunkt (zusätzlich Herzinsuffizienz, Klinikaufnahme wegen instabiler Angina pectoris und koronare Revaskularisierung) geprüft.

Hauptergebnisse

  • Erwartungsgemäß war der Anteil der Patienten, die nach einem Jahr wenigstens 5 Prozent ihres Ausgangsgewichtes verloren hatten, in der Verum-Gruppe größer als in der Placebo-Gruppe (38,7% versus 17,4%).
  • Während einer Beobachtungszeit von im Mittel 3,3 Jahren gab es in der Locaserin-Gruppe bei  2,0% der Patienten pro Jahr ein Ereignis des primären Endpunktes, in der Pacebo-Gruppe betrug der Anteil 2,1%. Damit erwies sich das Prüfpräparat in der Zwischenanalyse als nicht unterlegen (Hazard Ratio 0,99; 95% CI 0,85 - 1,14; P
  • Beim erweiterten kardiovaskulären Wirksamkeits-Endpunkt, bei dem auf Überlegenheit geprüft wurde, gab es kein statistisch signifikantes Resultat (4,1% versus 4,2%; HR 0,97; 95% CI 0,87 - 1,07; P=0,55).
  • Bei sonst gleicher Verträglichkeit gab es in der Locaserin-Gruppe mehr schwere Hypoglykämien, hauptsächlich bei Diabetes-Patienten (13 versus 4, P=0,04).

Klinische Bedeutung

In der Entwicklung neuer Medikamente zur Gewichtsreduktion ist seit einigen Jahren wieder verstärkt Bewegung. Locaserin ist nur ein Beispiel von mehreren. Die Bedeutung für Europa und Deutschland ist aufgrund der fehlenden Zulassungen allerdings beschränkt. Anders steht es bekanntlich um das  Antidiabetikum Liraglutid, das auch zur Gewichtsreduktion zugelassen ist. Noch in den Startlöchern für diese Indikation steht das konkurrierende Glutid Semaglutid, zu dem vor zwei Monaten Phase-2-Daten erschienen sind, die als recht positiv bewertet werden. 

Ein Grundproblem dieser Wirkstoffe - außer der Kostenübernahme - ist und bleibt vorerst die Langzeitsicherheit einer mehrjährigen Medikation. Dies gilt auch für Locaserin. So zeigte eine echokardiographische Subanalyse der aktuellen Studie nach einem Jahr bei 1,8 Prozent der Patienten mit dem Verum-Präparat eine Valvulopathie, in der Placebo-Gruppe betrug der Anteil 1,3 Prozent. Die ungeklärte Frage ist daher, ob mit längerer Therapiedauer diese kleine Differenz signifikant größer wird. 

Finanzierung: Eisai