Gewaltspiele am Computer: bei Erwachsenen kein nachhaltiger Einfluss auf das Aggressionsverhalten


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Das Spielen von Gewaltspielen am Computer beeinflusst langfristig nicht das Aggressionsverhalten erwachsener Spieler. So lautet das Hauptergebnis einer Studie von  Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Wissenschaftler haben 90 Erwachsene untersucht, die über einen Zeitraum von zwei Monaten im Schnitt 33 Stunden lang ein Gewaltspiel gespielt haben. Erforscht werden müsse noch, ob diese Ergebnisse auch auf das Verhalten von computerspielenden Kindern oder Jugendlichen übertragen werden könnten, heißt es in einer Mitteilung der Universitätsklinik. Die Studie ist im Fachmagazin „Molecular Psychiatry“ erschienen.

 

„Der in der Öffentlichkeit oft angeführte negative Einfluss von Gewalt-Videospielen auf das Verhalten der Spielerinnen und Spieler lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. In unserer Studie konnten wir keine signifikanten oder relevanten Verhaltensänderungen der erwachsenen Probanden feststellen. Nun ist noch zu erforschen, ob sich auch das Verhalten von Kindern und Jugendlichen nicht durch das Spielen von Gewaltspielen nachhaltig verändert“, sagt Studienleiterin Professorin Dr. Simone Kühn von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKE.

 

Die in den Debatten über Gewaltspiele bisher genutzten Argumente stützten sich im Wesentlichen auf Studien, in denen die Teilnehmenden nur zwischen Minuten und Stunden ein Gewaltspiel gespielt haben. Außerdem wurde das Verhalten der Spieler in den bisherigen Studien lediglich unmittelbar nach dem Spielen untersucht, wenn die Spieler noch im „Shoot em up-Modus“ waren. Dieses Phänomen ist in der Psychologie schon lange unter dem Begriff „priming“ oder Bahnung bekannt. Die Wissenschaftler haben nun untersucht, wie und ob sich das Aggressionsverhalten langfristig ändert, wenn die Spieler über einen längeren Zeitraum ein Gewaltspiel spielen.

 

An der Studie der UKE-Wissenschaftler haben 90 Erwachsene teilgenommen, die in ihrem Alltag nicht regelmäßig Videospiele spielen und für die Studie in drei Gruppen aufgeteilt worden sind. Eine Gruppe spielte in einem Zeitraum von zwei Monaten das gewaltverherrlichende Spiel Grand Theft Auto, in dem die Spieler für ihr aggressives Verhalten belohnt werden. Die Probanden der anderen Gruppe spielten im selben Zeitraum das Videospiel Sims, in dem die Spieler virtuelle Figuren kreieren, deren Aussehen sowie Personalität sie individuell anpassen und die sie dann in ihren sozialen Netzwerken begleiten können. Probanden einer  dritten Gruppe spielten keine Videospiele.

Vor und nach diesen zwei Monaten, in denen die Studien-Teilnehmer im Durchschnitt 33 Stunden gespielt haben, untersuchten die Wissenschaftler anhand verschiedener Tests das Verhalten der Probanden. Unter anderem wurden mit Fragebögen, aber auch mit impliziten Verhaltenstests die Aggression sowie die unterschwellige Aggression der Teilnehmer getestet. Darüber hinaus wurde auch das Sozialverhalten, vor allem die Fähigkeit zur Empathie, untersucht. Die Tests wurden zwei Monate nach dem letzten Videospiel wiederholt. Dabei wurden keine signifikanten oder relevanten Verhaltensänderungen der Spieler festgestellt – weder beim Vergleich der Testergebnisse vor dem Spiel und einen Tag nach dem letzten Spiel noch beim Vergleich des Verhaltens vor Beginn des ersten Spiels und zwei Monate nach dem letzten Spiel.